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Dritter Gleichstellungsbericht der BundesregierungDigitalisierung geschlechtergerecht gestalten

Digitale Kompetenzen müssen nach Ansicht der Sachverständigenkommission mit Genderkompetenz verknüpft werden, um Geschlechterstereotype abzubauen und eine geschlechtergerechte Arbeitskultur zu schaffen. Bildung hat dabei eine Schlüsselrolle.

27.01.2021

Bundesgleichstellungsministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Dienstag den Dritten Gleichstellungsbericht mit dem Titel „Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten“ entgegengenommen. In dem Bericht der elfköpfigen Sachverständigenkommission unter dem Vorsitz von Prof. Aysel Yollu-Tok wird untersucht, welche Weichenstellungen notwendig sind, damit Frauen und Männer in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft die gleichen Verwirklichungschancen haben.

Weniger Chefinnen, weniger Gehalt

Der 196 Seiten lange Bericht gliedert sich in drei große Themenbereiche: Zugang, Nutzung und Gestaltung, geschlechtergerechte Digitalisierung sowie Stärkung gleichstellungspolitischer Strukturen und Instrumente. Die Bundesregierung wird nun eine Stellungnahme dazu erarbeiten.

Einige ausgewählte Ergebnisse des Berichtes:

  • Auch die IT-Branche ist durch geschlechtsbezogene Ungleichheiten geprägt. Dazu zählen erhebliche Einkommensunterschiede, wobei der Gender Pay Gap je nach Beruf variiert: In Vertriebs- und Programmierberufen liegt die Differenz bei zwölf Prozent, in Informatikberufen verdienen Männer durchschnittlich sechs Prozent mehr als Frauen. Für IT-Berufe insgesamt wird ein Gender Pay Gap von sieben Prozent berechnet.  
  • Der Frauenanteil in Führungspositionen in der Digitalbranche liegt auf der ersten Führungsebene bei etwa 0,2 und auf der zweiten Führungsebene bei 0,8 Prozent. Im Topmanagement sind Frauen in der Digitalbranche also eine Seltenheit.
  • Das Entgelttransparenzgesetz ist zwar ein wichtiges Instrument für die berufliche Gleichstellung in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst. Da jedoch ca. 95 Prozent der Betriebe in der Digitalbranche Kleinst- oder Kleinbetriebe sind, werden die angestrebten Verbesserungen dort nicht greifen.

Für den Bildungsbereich interessant sind unter anderem folgende Handlungsempfehlungen:

  • Die Sachverständigenkommission plädiert dafür, die Vermittlung digitalisierungsbezogener Kompetenzen in der frühkindlichen Bildung, in der schulischen Bildung, an Berufsschulen, Hochschulen und Universitäten sowie in der allgemeinen Weiterbildung zu verankern und dabei genderkompetent zu agieren.
  • Die Digitalstrategie der Kultusministerkonferenz (KMK) muss um den Baustein Genderkompetenz erweitert werden, das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sollte diese in die Ausbildungspläne aufnehmen. 
  • Bestehende MINT-Förderprogramme sollten nicht nur verstetigt, sondern auf den Bereich der frühen Bildung ausgedehnt werden. 
  • Die digitalisierungsbezogene Genderkompetenz von Lehrkräften sowie Pädagoginnen und Pädagogen muss ausgebaut werden, etwa durch Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme aller Bildungsinstitutionen.
  • Eine bisher fehlende digitalisierungsbezogene Arbeits(markt)forschung aus Geschlechterperspektive muss etabliert werden. Die Fachleute empfehlen die Einrichtung eines gesonderten, langfristig angelegten Forschungsschwerpunktes.

Lernende in allen Phasen begleiten

„Bildung befähigt zu einem selbstbestimmten Leben, Digitalisierung transformiert nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das soziale Miteinander und durchdringt die gesamte Gesellschaft“, kommentierte das GEW-Vorstandsmitglied für Frauenpolitik, Frauke Gützkow. „Die Aufgabe von Bildungseinrichtungen, von Lehrerinnen und Lehrern, Pädagoginnen und Pädagogen, Weiterbildnerinnen und Weiterbildnern liegt darin, sich mit der gesellschaftlichen Transformation durch Digitalisierung, der Art der benötigten Kompetenzen und mit der Art und Weise des Kompetenzerwerbs zu befassen – um Lernende in allen Lebens - und Lernphasen zu begleiten.“

Die GEW begleitet die Digitalisierung in der Bildung mit dem Bundesforum Bildung in der digitalen Welt, das Positionen und Forderungen mit Blick auf Arbeitsplätze, Datenschutz und pädagogische Konzepte erarbeitet..