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Entfristungsoffensive statt EliteförderungGEW zu den ersten Auswahlentscheidungen der Exzellenzstrategie

In der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder zur Stärkung der Spitzenforschung an Universitäten sind die Entscheidungen über die künftigen Exzellenzcluster gefallen.

05.11.2018

Die mit den Mitgliedern des internationalen Expertengremiums sowie den Wissenschaftsministerinnen und -ministern des Bundes und der Länder besetzte Kommission wählte aus 88 Förderanträgen insgesamt 57 Exzellenzcluster aus. Damit steht zugleich fest, dass 17 Universitäten mit mindestens zwei Exzellenzclustern und zwei Universitätsverbünde mit mindestens drei Exzellenzclustern zur Antragstellung für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ zugelassen sind. GEW-Vize Andreas Keller gratulierte den erfolgreichen Universitäten, kritisierte aber zugleich Bund und Ländern für die auf Dauer angelegte Weiterführung des Exzellenzwettbewerbs.

Wie schon beim Vorgängerwettbewerb der Exzellenzstrategie, der 2006 gestarteten Exzellenzinitiative, sind die Förderentscheidungen von einem regionalen Ungleichgewicht gekennzeichnet. Abgesehen von den Berliner Universitäten profitieren gerade einmal zwei ostdeutsche Universitäten mit insgesamt vier von 57 Clustern von der Exzellenzstrategie: die Technische Universität Dresden und die Universität Jena. Von den 17 Universitäten, die für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ zugelassen sind und damit eine Chance haben, den begehrten Status einer Eliteuni zu erhalten, liegen allein zehn in zwei Bundesländern: Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Hälfte der Bundesländer hat schon jetzt keine Chance mehr, künftig eine Exzellenzuniversität zu stellen.

Der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der GEW, Andreas Keller, gratulierte den in der ersten Runde der Exzellenzstrategie zum Zuge gekommenen Universitäten zu ihrem Erfolg, dem eine aufwändige Antragstellung vorausging, an der zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unterschiedlichem Status, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Technik und Verwaltung engagiert mitgearbeitet haben. Zugleich äußerte er sich besorgt über die strukturellen Folgen des verstetigten Exzellenzwettbewerbs.

„Jahr für Jahr sollen 533 Millionen Euro ausgegeben werden, um ausgewählte Eliteunis aufzupäppeln – eine fatale Entscheidung.“

„Das Geld wird dort fehlen, wo es die Hochschulen am dringendsten brauchen: in der Grundfinanzierung“, mahnte Keller und verwies auf die immer noch offene Entscheidung von Bund und Ländern über die Zukunft des Hochschulpakts.

Weiter setzten Bund und Länder mit der Exzellenzstrategie eine wichtige Errungenschaft des deutschen Hochschulsystems aufs Spiel, führte Keller aus. „Ob jemand in Aachen oder Chemnitz, Konstanz oder Flensburg seinen Abschluss gemacht hat, spielte in der Vergangenheit keine große Rolle. Die Exzellenzstrategie zielt hingegen auf ein Zweiklassensystem mit Spitzenunis und mittelmäßigen Hochschulen ab.“

Mit Blick auf die Evaluation der Exzellenzinitiative durch die internationale Expertenkommission unter Leitung des Schweizer Physik-Professors Dieter Imboden kritisierte Keller, dass der Wettbewerb auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Qualifizierungsphase „in die Röhre schauen“ lasse. „Zwar wird die Exzellenzstrategie wie zuvor die Exzellenzinitiative eine große Zahl junger Forscherinnen und Forscher ins Wissenschaftssystem holen. Eine dauerhafte Perspektive eröffnet sie ihnen aber gerade nicht. Mit den befristet vergebenen Exzellenzgeldern werden in der Regel befristete Beschäftigungsverhältnisse finanziert.“

Keller forderte Bund und Länder auf, den negativen Auswirkungen zum einen durch eine substanzielle Verbesserung der Grundfinanzierung der Hochschulen entgegenzuwirken. Zum anderen „brauchen wir eine Entfristungsoffensive, die den in auslaufenden Exzellenclustern wie in den abgeschafften Graduiertenschulen tätigen Forscherinnen und Forschern eine Perspektive eröffnet“, so der GEW-Wissenschaftsexperte.

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