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Care-KriseGEW unterzeichnet Equal Care Manifest

Die GEW unterstützt das Equal Care Manifest. Darin werden Politik und Wirtschaft aufgerufen, sich für eine faire Verteilung von Sorgearbeit, Einkommen und Vermögen sowie entsprechende Rahmenbedingungen einzusetzen.

25.05.2020

Weltweit übernehmen Frauen laut Oxfam-Studie 2020 täglich mehr als 12 Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit. Würden diese auch nur mit dem Mindestlohn bezahlt, wäre diese Summe 24 Mal größer als der Umsatz der Techkonzerne Apple, Google und Facebook zusammen. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands fiele um etwa ein Drittel höher aus, als in den bisherigen Gesamtrechnungen ausgewiesen wird. Der gemeinnützige Verein klische*esc e.V., der auch hinter dem Equal Care Day steht, initiierte daher nun das Equal Care Manifest, das Vorstandsmitglied und Frauenpolitikexpertin Frauke Gützkow für die GEW unterzeichnete. 

„Der Care-Sektor ist der größte Wirtschaftszweig, und auch hier gilt: die bezahlte Pflege- und Fürsorgearbeit wird weltweit zu zwei Dritteln von Frauen geleistet.“

In dem Manifest heißt es unter anderem: „Der Care-Sektor ist der größte Wirtschaftszweig, und auch hier gilt: die bezahlte Pflege- und Fürsorgearbeit wird weltweit zu zwei Dritteln von Frauen geleistet. In Deutschland ist der Frauenanteil sogar noch höher: 2019 lag er in den medizinischen Berufen, im Rettungsdienst und in der Pflege bei 84,2 Prozent, in der Kinderbetreuung sogar bei 89,6 Prozent.“

Insgesamt werden mit Blick auf die Aspekte Anerkennung und Wertschätzung, faire Verteilung sowie strukturelle Unterstützung und Rahmenbedingungen 18 Forderungen aufgestellt. Dazu gehören:

  • Die Entwicklung einer zusammenhängenden Strategie sowohl zur höheren Wertschätzung unbezahlter Sorgearbeit als auch zur Neubewertung und finanziellen Aufwertung von Care-Berufen
  • Eine Vereinheitlichung der sozialen Absicherung von privater Care-Arbeit, sei es Kindererziehung, Betreuung oder Pflege, die gleichermaßen in der Alterssicherung anzuerkennen sind.
  • Die Einführung einer finanziell abgesicherten Familienarbeitszeit und von flexiblen Zeitbudgets für geleistete Care-Arbeit für Kinder, kranke und hilfebedürftige Angehörige, gekoppelt mit einer echten Entgeltleistung (Sorgegeld, z.B. in Höhe des Elterngelds).
  • Investitionen in allgemeine Kinderbetreuung, die Betreuung älterer Menschen und die Pflege von Menschen mit Behinderungen 
  • Eine geschlechter-, care- und diversitätssensible Pädagogik entlang der gesamten Erziehungs- und Bildungskette. Analog zur Erwerbsbiographie muss der Aufbau einer Care-Biographie als Bildungsziel eingeführt werden.
  • Die Unterstützung und Forderung einer gleichberechtigten Arbeitsteilung in Familien und Verantwortungsgemeinschaften durch alternative Erwerbsmodelle, z.B. eine grundsätzliche Erwerbszeitreduzierung und ein Erwerb-Sorge-Modell. 
  • Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern unter Berücksichtigung des ursächlichen Zusammenhangs von PayGap und CareGap sowie Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Lohntransparenz.

Erwerbs- und Sorgearbeit zusammendenken

„Die unbezahlte Sorgearbeit - also all das, was einen reibungslosen Alltag in Familien ermöglicht, die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen, Nähe und Geborgenheit, aber auch Hausarbeit – steht in diesem Frühjahr wieder verstärkt auf der politischen Tagesordnung und wird durch die Auswirkungen der Corona-Krise noch verstärkt“, betonte Gützkow. „Das Anliegen des Equal Care Manifests ist es, den Blick auf die gesellschaftliche Organisation von Arbeit zu weiten, Erwerbs- und Sorgearbeit zusammenzudenken und damit zum Umdenken bei der Bewertung informeller und professioneller Pflegearbeit beizutragen.“

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