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CoronapandemieGEW sieht schnelle Impfungen für Kinder und Jugendliche skeptisch

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat angekündigt, möglicherweise bereits ab Juni Kinder ab zwölf Jahren impfen zu können. Die GEW begrüßt dies, stellt aber auch fest, dass aktuell noch nicht mal die meisten Lehrkräfte geimpft seien.

30.04.2021

Die GEW sieht die Prognose des Unternehmens Biontech, schon bald auch Kinder impfen zu können, skeptisch. „Wir wünschen uns sehr, dass es bald möglich ist, auch Jugendlichen und Kindern ein Impfangebot zu machen. Diese mussten lange zurückstehen und leiden unter der Pandemie ganz besonders. Allerdings ist es wichtig, dass es Sicherheit gibt. In welchem Zeitraum das alles klappt, ist noch viel Kaffeesatzleserei“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe den Zeitungen der Funke-Mediengrupppe. 

Biontech-Gründer Uğur Şahin hatte dem Magazin „Der Spiegel“ gesagt, wenn alles nach Plan laufe, könnten Schulkinder ab zwölf Jahren schon im Juni, jüngere Kinder dann ab September geimpft werden. Bereits in der kommenden Woche will Biontech eine entsprechende Zulassung beantragen.

„Bei dem bisher für Schutzmaßnahmen vorgelegten Tempo fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ab Juni Kinder und Jugendliche in so großem Stil geimpft sein könnten, um noch vor den Sommerferien größtenteils von Fern- und Wechselunterricht wieder auf Präsenzunterricht umzustellen.“ (Marlis Tepe)

Tepe betonte, auch die GEW wolle, dass Schulen und Kitas so schnell wie möglich wieder geöffnet werden könnten. Allerdings fehlten weiter die Voraussetzungen dafür. Der Gesundheitsschutz für Lehrende, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern sei nach wie vor nicht ausreichend. Beim Thema Testen seien viele logistische Fragen noch nicht gelöst, für Klassen- und Gruppenräume gebe es kaum Lüftungsanlagen. 

Weil vor allem Impfstoff fehle, seien die meisten Lehrkräfte bis heute nicht geimpft - nicht einmal die Lehrerinnen und Lehrer der  Impfpriorisierungsgruppe 2. „Bei dem bisher für Schutzmaßnahmen vorgelegten Tempo fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ab Juni Kinder und Jugendliche in so großem Stil geimpft sein könnten, um noch vor den Sommerferien größtenteils von Fern- und Wechselunterricht wieder auf Präsenzunterricht umzustellen.“

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.