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GEW fordert gute Forschung und gute Lehre für alleDie Exzellenzinitiative soll auf den Prüfstand

Die Universitäten im Osten gehen bei dem Wettbewerb fast leer aus. Die GEW greift das Memorandum der ostdeutschen Hochschulratsvorsitzenden hierzu auf und hinterfragt das milliardenschwere Projekt.

13.01.2020

Vor dem Hintergrund des am Montag veröffentlichten Memorandums von Vorsitzenden der Hochschulräte und Kuratorien ostdeutscher Universitäten hat die GEW ihre Kritik am System der Exzellenzuniversitäten erneuert und zugleich die ostdeutschen Hochschulen verteidigt. Das schlechte Abschneiden der Universitäten in den neuen Ländern sei „kein Versagen der ostdeutschen Universitäten, sondern ein strukturelles Problem des Exzellenzwettbewerbs, der insgesamt auf den Prüfstand gehört“, sagte der GEW-Hochschulexperte und stellvertretende Vorsitzende Andreas Keller am Montag in Frankfurt am Main.

„Hochschulen ohne ein florierendes wirtschaftliches Umfeld haben per se einen Wettbewerbsnachteil.“ (Andreas Keller)

Diese Nachteile müssten ausgeglichen, nicht verschärft werden, verlangte Keller. Er nannte als Vorschläge beispielhaft eine Stärkung der Grundfinanzierung der Hochschulen durch die Länder, eine Aufstockung und Dynamisierung des Hochschulpakt-Nachfolgeprogramms „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ sowie die Wiedereinführung der Hochschulbauförderung des Bundes. Die GEW forderte Bund und Länder bereits mehrfach auf, die Hochschulfinanzierung stärker auf eine Förderung guter Forschung und Lehre in der Fläche auszurichten.

Bei der milliardenschweren Exzellenzstrategie von Bund und Ländern ging der Osten fast leer aus. Nur eine der zehn Exzellenzuniversitäten, die TU Dresden, ist in den neuen Ländern. Hinzu kommt die Humboldt-Universität als Teil des Berliner Verbundprojekts.

  „Wir sind der Überzeugung, dass Hochschulen in eigener Verantwortung am effektivsten die ihnen anvertrauten Mittel einsetzen können.“ (Memorandum)

 

In ihrem sechs Seiten langen Memorandum analysieren die Vorsitzenden der Hochschulräte und Kuratorien ihr Abschneiden. „Nach unserem Eindruck ist die günstige Ausgangslage aus den 1990er Jahren aufgebraucht. Nach dem Wegfall der Kompensationsleistungen aus dem 2006 abgeschafften Hochschulbauförderungsgesetz ergibt sich vielmehr ein zunehmender Sanierungsstau“, heißt es unter anderem. 

Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Universitäten bedürfe es zudem einer Reform der Verwaltungsprozesse und der Instrumente, die einer Stärkung der Selbststeuerungsfähigkeit dienten. „Wir sind, gerade auch unter Betrachtung aller in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Universitäten, der Überzeugung, dass Hochschulen in eigener Verantwortung am effektivsten die ihnen anvertrauten Mittel einsetzen können.“

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