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GEW-Delegierte fordern Politik zum Handeln auf

Eine inklusive Schule für alle Kinder und Jugendlichen fordern die Delegierten des 27. Gewerkschaftstages von der Politik. Die GEW plädiert in den Gewerkschaftstags-Beschlüssen für eine umfassende Definition von Inklusion: Jeder Mensch müsse so akzeptiert werden wie er ist und voll an Bildung teilhaben können.

17.06.2013 - Norbert Glaser

In verschiedenen Beschlüssen begrüßt der Gewerkschaftstag die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig spricht sich die GEW dafür aus, den Begriff der Inklusion zu universalisieren: „Wir sollten immer das Bewusstsein für die Würde und die Teilhabe aller Menschen im Hinterkopf haben“, betonte Ilka Hoffmann, die als neu gewähltes Vorstandsmitglied in der GEW künftig den Organisationsbereich Schule verantworten wird. „Wir haben das auf dem Gewerkschaftstag in Nürnberg mit einem knappen Beschluss und knappen Forderungen begonnen“, erinnerte Hoffmann. „Nun müssen wir eine Struktur reinbringen.“

Bedeutung des Themas Inklusion unstrittig

Keine Diskussion gab es unter den Delegierten des Gewerkschaftstages über die Bedeutung des Themas Inklusion – sowohl für die Bildungspolitik als auch für die GEW. Unterschiede zeigten sich jedoch in Definition und Schwerpunktsetzung der eingereichten Anträge. „Wir befinden uns in einem komplizierten Prozess“, betonte der Vorsitzende des GEW-Landesverbandes Niedersachsen, Eberhard Brandt. Er sprach sich dafür aus, die vorhandenen Erfahrungen zu verallgemeinern – keine leichte Aufgabe angesichts der Vielfalt an Schulformen und -strukturen in den einzelnen Bundesländern.

Wie Brandt gingen die meisten Redner von einem umfassenden Verständnis von Inklusion aus. Inklusion müsse auch auf Kinder aus armen und sozial benachteiligten Haushalten oder mit Migrationshintergrund zielen. Alle Kinder und Jugendlichen hätten unabhängig von ihrer sozialen und ethischen Herkunft sowie ihrer individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten einen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung.

Diese Position gelte es mehrheitsfähig zu machen, verlangten die Delegierten. Die UN-Konvention könne lediglich ein Ausgangspunkt sein. „Die GEW muss weiter beharrlich an dem Thema arbeiten. Sie hat hier eine große Erfolgsgeschichte begonnen“, betonte die Delegierte Petra Kilian aus Baden-Württemberg. „Unsere Expertise wird stark nachgefragt. Und schließlich lohnt sich das auch finanziell. Unser Engagement in diesem Bereich führt uns auch neue Mitglieder zu.“

Die Gewerkschaftstagsdelegierten erinnerten an die langjährige Forderung der GEW nach einer „Schule für alle“. Die Heranwachsenden dürften nicht aufgrund von Behinderung, familiärem Hintergrund oder unterschiedlichen Bildungs- und Lernerfahrungen separiert werden. Inklusion statt Selektion sei das Gebot der Stunde. „Bildung ist ein Menschenrecht. Alle Menschen haben ein Recht darauf. Und die Umsetzung beginnt bei den ganz Kleinen“, befand Katrin Schmidt-Sailer aus Baden-Württemberg.

Politik muss sich endlich bewegen

„Bayern hat weder Gesamtschulen noch Inklusion“, bedauerte Henricke Schneider-Petri, Delegierte aus Bayern. Sie verlangte eine breite gesellschaftliche Debatte über ein inklusives Bildungssystem. „Wir sollten überlegen, wie wir Inklusion umsetzen“, unterstrich auch Ulrike Hund aus Nordrhein-Westfalen. „Anstatt zu jammern, müssen wir Forderungen an die Politik in den einzelnen Ländern stellen.“ Denn Lehrerinnen und Lehrer könnten selbst nur Anregungen geben. „Schulentwicklungspläne auszuarbeiten ist Aufgabe der Politik“, stellte Hund fest. „Und die muss sich endlich bewegen.“

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