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Gesunde Ernährung in Kita, Schule und HochschuleGesunde Ernährung im Unterricht

Eine E&W-Umfrage bei den Bildungsministerien der Bundesländer zeigt, dass gesunde Ernährung in allen Altersstufen und in verschiedenen Fächern ein Thema ist – häufig auch fächerübergreifend.

04.09.2020 - Anne-Katrin Wehrmann, freie Journalistin

Sachunterricht in der Grundschule, Biologie in den weiterführenden Schulen: Das sind zwei der prädestinierten Fächer, in denen sich Kinder und Jugendliche mit Aspekten wie ausgewogener Ernährung, gesundheitsgerechtem Verhalten und nachhaltigem Umgang mit Ressourcen auseinandersetzen. Unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt beschäftigen sich Jungen und Mädchen schon in den ersten vier Schuljahren mit Ernährungsgewohnheiten, gesundheitsschädigenden und gesundheitsfördernden Faktoren sowie dem sorgsamen Umgang mit dem eigenen Körper. In der Sekundarstufe I wird dieser Themenkomplex dann häufig im Fach Biologie vertieft und fortgeführt, zum Beispiel durch Informationen zum Stoff- und Energiewechsel des Menschen. Ergänzend lassen sich auch weitere Aspekte wie Nachhaltigkeit und -soziale Verantwortung bearbeiten.

In manchen Bundesländern, so zum Beispiel in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen, sind die Themen Ernährung, Lebensmittel und Verbraucherschutz Querschnittsthemen, die im gesamten Fächerkanon aller Altersstufen aufgegriffen werden können. Zu den Schwerpunkten einer umfassenden unterrichtlichen Einbindung gehört das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT, in Niedersachsen AWT). Auch in anderen Fächern wie Chemie, Sport, Gesellschaftslehre, Erdkunde, Hauswirtschaft oder Ethik/Religion werden entsprechende Bezüge hergestellt. Was die Nutzung von Unterrichtsmaterialien angeht, teilt das Bildungsministerium des Saarlands exemplarisch mit: „In der Regel wird für die Umsetzung im Unterricht das jeweils eingeführte Schulbuch verwendet. Die Auswahl und der Einsatz von weiteren Unterrichtsmaterialien gehören zur pädagogischen Verantwortung der Lehrkräfte.“ Unter anderem hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verschiedene Medien für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen im Angebot.

Kooperationen mit externen Partnern

Einige Länder haben darüber hinaus zusätzliche Möglichkeiten entwickelt, die Bedeutung des Themenfeldes in der Schule weiter zu stärken. So hat Bayern zum jetzt anlaufenden Schuljahr das Konzept „Schule fürs Leben“ neu eingeführt, das eine verstärkte Vermittlung von Alltagskompetenzen im Unterricht zum Ziel hat: Dabei zählen zu den fünf benannten Handlungsfeldern auch die beiden Bereiche Ernährung und Gesundheit. In Bremen gibt es einen Aktionsplan „Gesunde Ernährung“, in dessen Rahmen unter anderem Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten werden und bis 2022 eine Umstellung der schulischen Essensangebote auf Bioprodukte erfolgen soll. In Baden-Württemberg ist das Thema Ernährung in drei von sechs verbindlichen Leitperspektiven fest verankert, die in allen Fächern und an allen Schulen gelten.

Weitere Aspekte einer guten und nachhaltigen Ernährung werden zudem im Wahlpflichtfach „Alltagskultur, Ernährung und Soziales“ vermittelt, das in der Sekundarstufe I in den Klassen 7 bis 10 unterrichtet wird. In Nordrhein-Westfalen kann das Fach Ernährungslehre in das Kursangebot für die gymnasiale Oberstufe aufgenommen und als Abiturfach belegt werden. Vielerorts gibt es außerdem Kooperationen mit externen Partnern, zum Beispiel für den Besuch von Bauernhöfen. In Schleswig-Holstein etwa haben sich mehr als 40 landwirtschaftliche Betriebe für das Projekt „Schulklassen auf dem Bauernhof“ registrieren lassen, für das die Landesregierung in diesem Jahr Mittel zur Verfügung stellt.

Kochen im Unterricht

Bundesweit steht an Schulen, die über eigene Küchen verfügen, zumeist auch Kochen auf dem Programm – entweder im regulären Unterricht oder als AG-Angebot. In Thüringen beispielsweise können weiterführende Schulen im Wahlpflichtbereich ein Fach nach einem schulinternen Lehrplan einrichten: Mehrere Schulen haben diese Möglichkeit aufgegriffen und ein Fach eingeführt, in dem unter anderem gemeinsam gekocht wird. Und wo es einen eigenen Schulgarten gibt, werden die selbst angebauten Lebensmittel auch direkt verarbeitet. So haben in Sachsen gut 1.000 der rund 1.400 Schulen einen Garten, beim Schulgartenwettbewerb des Landes haben seit 1993 mehr als 100.000 Schülerinnen und Schüler mitgemacht.

Viele deutsche Schulen beteiligen sich darüber hinaus an Programmen wie dem Ernährungsführerschein, dem „SchmExperten“-Bildungsmodul, dem Schulprogramm der Europäischen Union zur Versorgung mit Milch, Obst und Gemüse oder dem in mehreren Bundesländern angebotenen jeweiligen „Landesprogramm Gute Gesunde Schule“.