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Geschlechtergerechte Lehrer_innenbildung notwendig

23.11.2015

Studie deckt Handlungsbedarf auf. Die Lehrer_innenbildung in Deutschland ist stark geschlechtsspezifisch geprägt, das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra).

Im Auftrag der GEW wurden Daten der Hochschulstatistik für das Wintersemester 2013/14 analysiert. Die empirischen Befunde belegen den Handlungsbedarf in Richtung eines verstärkten Engagements für eine strukturell geschlechtergerechte und inhaltlich geschlechtersensible Ausrichtung der zukünftigen Lehrer_innenbildung. Die Berliner Wissenschaftler_innen Sonja Weeber und Dietmar Hobler stellen erste Ergebnisse vor.

Frauen stellen die große Mehrheit an den Lehramtsstudent_innen: Zwei Drittel (66 Prozent) der insgesamt 236.688 an deutschen Hochschulen eingeschriebenen Lehramtsstudent_innen sind weiblich.

Frauen und Männer verteilen sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Schulstufen und Schulformen (Lehramtstypen): Frauen sind überproportional häufig im Bereich Grundschule bzw. Primarstufe (Lehramtstyp 1) und im Bereich Sonderpädagogik (Lehramtstyp 6) zu finden. Männer bereiten sich dagegen in der Mehrheit auf ein Lehramt in der Sekundarstufe II bzw. am Gymnasium vor (Lehramtstyp 4). Es lässt sich also eine starke vertikale Segregation, eine hierarchische Verteilung entlang der Schulstufen feststellen.

Bei der Betrachtung der Studienbereiche fällt außerdem auf, dass sich innerhalb der einzelnen Studienbereiche die vertikale Segregation entlang der hierarchischen Schulstufen wiederholt: Frauen entscheiden sich sowohl in frauendominierten Studienbereichen als auch in männerdominierten Studienbereichen überdurchschnittlich häufig für die Lehrämter in Grundschule, Primarstufe, Sekundarstufe I und Sonderschulen. Männer sind dagegen mehrheitlich im Bereich der Sekundarstufe II vertreten – ebenfalls unabhängig davon, ob sie Germanistik oder Physik als erstes Studienfach gewählt haben.

Neben den Studienbereichen mit stark über- oder unterproportionalen Frauenanteilen gibt es auch einige Studienbereiche, deren Verhältnis der Frauen- und Männeranteile annährend dem unter allen Lehramtsstudent_innen (zwei Drittel zu ein Drittel) entspricht: Am ehesten trifft dies für die Studienbereiche Anglistik, Biologie und Erziehungswissenschaften zu sowie für den Lehramtstyp 3, der die Schularten der Sekundarstufe I umfasst.

Die empirischen Befunde unterstreichen den Handlungsbedarf in Richtung eines verstärkten Engagements für eine strukturell geschlechtergerechte und inhaltlich geschlechtersensible Ausrichtung der zukünftigen Lehrer_innenbildung.

Zu den Autor_innen:

Sonja Weeber, Soziologin (B.A.) und Genderwissenschaftlerin (M.A.), wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SowiTra – Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, Themenschwerpunkte: Qualitative und quantitative Datenanalyse, Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern, Gender Mainstreaming.

Dietmar Hobler, Diplom-Soziologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei SowiTra – Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, Themenschwerpunkte: Arbeitsmarktsoziologie, Bildungssoziologie und Quantitative Datenanalyse.

Hintergrund

Auf dem 27. Gewerkschaftstag 2013 in Düsseldorf hat die GEW einen „Aktionsplan Lehrer_innenbildung“ verabschiedet. Dieser weist einleitend auf die geschlechtsspezifische Prägung der Lehrer_innenbildung in Deutschland hin und benennt die Mehrzahl weiblicher Lehramtsstudent_innen, die Unterrepräsentanz von Männern im Primarbereich und die Unterrepräsentanz von Frauen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Es wird zudem – gemeinsam mit einem gleichnamigen Gewerkschaftstagsbeschluss – gefordert, Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation in der Lehrer_innenbildung zu verankern

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