GEW - Die Bildungsgewerkschaft
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"Genies fallen nicht vom Himmel"

"Bildung in den Mittelpunkt zu stellen, ist sozial gerecht und ökonomisch sinnvoll." Darauf wies der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Ralf Stegner, in seiner Grußadresse an den GEW-Gewerkschaftstag hin.

10.05.2017 - Von Norbert Glaser

Bildung und Ausbildung entscheiden über Lebenschancen. "Genies fallen nicht vom Himmel. Sie müssen Gelegenheit zur Ausbildung und Entwicklung haben", betonte Stegner unter Verweis auf ein Zitat von August Bebel. Bildung ermögliche Emanzipation und Teilhabe – politisch, gesellschaftlich, sozial und ökonomisch. Bildung sei der Garant, um dazu zu gehören und sich entfalten zu können, aber auch die Grundlage für einen erfolgreichen Zugang zum Arbeitsmarkt und die Basis unseres wirtschaftlichen Erfolgs.

Deutschland müsse bei Bildung und Ausbildung wieder zu den Besten gehören, so Stegner mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl: "Wir brauchen gute Bildung für alle." Konkret bedeute das beispielsweise Eltern von Bildungskosten zu entlasten – von der Kita über die Ausbildung bis zum Master oder der Meisterfortbildung. Aber auch gute Unterrichtskonzepte, engagierte Lehrerinnen und Lehrer sowie ein Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung, der individuelle Förderung und Inklusion ermöglicht, sei nötig. Schulen müssten Lebensräumen werden, in den Lernen Spaß macht.

"Gleiche Bildungschancen für alle"

Stegner plädierte für eine "bildungspolitische Wende", mit erhöhten Investitionen in Kitas, Schulen und Berufsschulen, mehr Mitteln für Personal und mehr länderübergreifender Koordinierung. "Wir wollen gleiche Bildungschancen für alle, damit Menschen nach ihrer Leistung und ihrem Engagement und nicht nach ihrem Geschlecht, ihrer sozialen Herkunft, ihrem Geburtsland, ihrer sexuellen Orientierung oder Behinderung beurteilt werden." Ein neuer Grundgesetzartikel 104c soll das Kooperationsverbot aufbrechen und es dem Bund ermöglichen, direkt in kommunale Bildungseinrichtungen zu investieren.

Die frühe Aussortierung bei Kindern und Jugendlichen muss aus Sicht von Stegner möglichst schnell fallen: "Abitur soll machen, wer kann und will, aber nicht, weil es der Geldbeutel der Eltern erlaubt." Flüchtlingskinder müssten als Chance und nicht als Problem begriffen werden. "Das Problem in Deutschland ist nicht Vielfalt, sondern Einfalt."

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