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Gender Pay Gap „kleinrechnen“ beseitigt keine Benachteiligung

Die Genderforscherin Christina Klenner kritisiert ein Kleinrechnen des Gender Pay Gap. Dieses Vorgehen beseitige nicht die Benachteiligung von Frauen, moniert die Expertin der Hans-Böckler-Stiftung. Einzelfallprüfungen seien unerlässlich.

13.07.2016

Der Gender Pay Gap - der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen - beträgt hierzulande rund 21 Prozent. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht dennoch keinen Handlungsbedarf: Die auf Basis von statistischen Analysen "bereinigte" Lohnlücke sei deutlich kleiner. Berücksichtige man Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Beruf und Branche, Führungspositionen, Qualifikation und Beschäftigungsumfang bleibe ein "unerklärter" Rest von sieben Prozent. Das IW hat zusätzlich Erwerbsunterbrechungen herausgerechnet und kommt so für das Jahr 2013 auf nur noch 3,8 Prozent.

Die Genderforscherin Christina Klenner kritisiert diese Argumentation: Auch hinter dem "erklärten" Teil des Gender Pay Gap verberge sich Diskriminierung, sagt die Expertin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Dass sich Faktoren für Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern statistisch isolieren ließen, heiße nicht, dass sie damit gerechtfertigt seien. Vielmehr beruhten die "erklärten" Differenzen wesentlich auf einer Benachteiligung von Frauen im Betrieb, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Wenn frauendominierte Tätigkeiten weniger geschätzt und schlechter bezahlt würden, sei es unangemessen, das Ausmaß der Diskriminierung um den Einfluss von Beruf und Branche zu bereinigen.

Die GEW fordert unterdessen eine finanzielle "Aufwertung" des Grundschullehrberufs. Ein Gutachten der Europa-Rechtswissenschaftlerinnen Eva Kocher, Stefanie Porsche und Johanna Wenckebach kommt sowohl hinsichtlich der Ausbildung als auch der Tätigkeit von Grundschullehrkräften zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Besoldung nach A12 um eine mittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts handle. Grundschulen haben mit etwa 90 Prozent den höchsten Frauenanteil bei den Lehrkräften. Mit einer Online-Petition wirbt die GEW Saarland für die Besoldung nach A13 für alle Lehrkräfte an Grundschulen und GHS-Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen.

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