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Ganztagsschule im Realitätscheck

Alle drei Jahre gibt die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) Einblicke in den Ist-Stand. Die jüngsten Ergebnisse zeigen auch: Mehr Einsatz in der Schul- und Unterrichtsentwicklung wäre gut.

04.01.2018

Zehn Prozent der Schulen geben in der StEG-Erhebung von 2015 an, an weniger als drei Tagen pro Woche Ganztagsangebote bereitzustellen – und somit die Mindestanforderung der Kultusministerkonferenz (KMK), die eine Öffnung an drei Tagen festschreibt, nicht zu erfüllen. Noch problematischer sieht es bei den pädagogischen Leitlinien aus: Die von der KMK geforderte konzeptionelle Verbindung von außerunterrichtlichen Ganztagsangeboten und Unterricht wurde bislang nur an jeder zweiten Ganztagsschule realisiert.

Eine Diskrepanz zwischen Anspruch und gelebter Praxis zeigt sich in den Vertiefungsstudien, an denen 2012 bis 2015 je circa 70 Schulen im Primar- beziehungsweise Sekundarbereich teilnahmen. Die ausgewählten Schulen boten Schwerpunkte im Bereich Sprach- und Leseförderung, soziales Lernen sowie teils auch Naturwissenschaften an. Bei der Befragung der Schülerinnen und Schüler stellte sich indes heraus, dass die Teilnahmequoten ziemlich niedrig waren: An den Grundschulen lagen sie jeweils zwischen 10 und 17 Prozent, in der Jahrgangsstufe 5 unter 8 Prozent.

Wiederholt wurden die Schülerinnen und Schüler, die an den Förderangeboten teilnahmen, befragt und ihre Leistungsentwicklung mittels standardisierter Tests untersucht. Im Vergleich zu Mitschülerinnen und Mitschülern, die keine solchen Angebote besuchten, zeigte sich kein zusätzlicher Lerngewinn. Der Besuch von Ganztagsangeboten reicht offenbar nicht aus, um innerhalb eines oder zweier Halbjahre fachliche Kompetenzen messbar zu steigern. Was sich hingegen gut nachweisen lässt, sind positive Auswirkungen pädagogisch hochwertiger Angebote auf das soziale Lernen, auf die Motivation und das Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler.

Alle drei Jahre befragt StEG repräsentativ ausgewählte Schulleitungen nach dem Ausbau ihrer Ganztagsschulen; zuletzt nahmen 2015 bundesweit 1.516 Schulen teil.

Die komplette Analyse von Prof. Eckhard Klieme, Bildungsforscher am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), und Prof. Ludwig Stecher, Bildungsforscher an der Justus-Liebig Universität Gießen, ist in der Januarausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

Kathrin Hedtke hat zudem Eltern nach ihrer Meinung zum Ganztag befragt:  

  • „Ganztagsschule ist gut für alle“

„Ich würde mir wünschen, dass meine Tochter auf eine Ganztagsschule geht. In unserer Schule gehen einige Schüler mittags nach Hause, andere bleiben im Hort, werden früher oder später abgeholt. Oft habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich arbeite – und nicht Mittagessen für meine Kinder koche. In einer Ganztagsschule bleiben alle Schüler gleich lang. Das ist gut für alle.“ (Ana Büttenbender, Darmstadt)

  • „Ich habe Zeit für meine Kinder“

„Für berufstätige Mütter ist eine Ganztagsschule sicher toll. Aber ich habe Zeit und möchte meine Kinder gerne früher abholen. Seit der dritten Klasse will mein Sohn allerdings meist lieber länger im Hort bleiben und mit seinen Kumpels weiter Fußball spielen.“ (Manja Hirschner, Berlin)

  • „Hort hat in den Ferien auf“

„Ganztagsschule kommt für mich nicht infrage, zumindest in der Grundschule. Ich finde nicht gut, wenn das Umfeld der Kinder nur auf die Schule beschränkt ist. Sie sollen auch mit anderen Kindern spielen. Der Hort bietet die Möglichkeit, noch mal eine ganz andere Rolle einzunehmen. Außerhalb der Schule. Und ganz wichtig: Der Hort hat auch in den Ferien auf.“ (Julia Pflüb, Frankfurt)

  • „Miteinander der Kinder wird gestärkt“

„Wir sind beide berufstätig – und sehr froh, dass es Ganztagsschulen gibt. Sonst würde der Junge vielleicht nachmittags mit seinen Freunden auf der Straße rumhängen. Außerdem stärkt es das Miteinander, wenn die Kinder zusammen lernen und nicht allein zuhause am Schreibtisch ihre Hausaufgaben machen.“ (Aron Amm, Berlin)

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