GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Du bist hier:

Frieden schaffen ohne Waffen

Um Ursachen und Folgen kriegerischer Konflikte und die Voraussetzungen für ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben in der Welt ging es bei der GEW-Jahrestagung Internationales am 25./26. November 2016 in Bad Hersfeld.

03.12.2016 - Manfred Brinkmann

Rund fünfzig Kolleginnen und Kollegen waren der Einladung zur GEW-Jahrestagung Internationales nach Bad Hersfeld gefolgt, um sich über die internationale Arbeit ihrer Gewerkschaft auszutauschen und mit der GEW-Vorsitzenden Marlis Tepe und ihrem Stellvertreter Andreas Keller zu diskutieren, welchen Beitrag die Bildungsgewerkschaft zur Vorbeugung von Konflikten und zur Friedensförderung leisten kann.

Warum Menschen fliehen

Dass die Welt in keinem guten Zustand ist machte der Journalist und Friedensaktivist Reiner Braun deutlich, in dem er ein Schlaglicht auf internationale Konfliktherde wie die in Syrien, der Türkei, Somalia, der Ukraine oder im südchinesischen Meer warf. Es gebe weltweit eine Dynamik hin zum Krieg, der durch eine Politik der gemeinsamen Sicherheit begegnet werden müsse. Die Frage der Abrüstung müsse erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden, Waffenexporte seien kriminell, zu Verhandlungen gebe es keine Alternative, so Braun. Er forderte eine Wiederbelebung der Friedensbewegung, die nur mit den Gewerkschaften möglich sei. Ramona Lenz von medico international wusste zu ergänzen, das derzeit in jedem siebten Land der Erde Krieg herrscht. Mehr als 62 Millionen Menschen seien auf der Flucht. Krieg und Gewalt seien jedoch nicht die einzigen Ursachen, warum Menschen sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen. Auch Armut, politische Verfolgung, Rohstoffhandel, Landraub, Umweltzerstörung und Klimawandel seien verantwortlich für die Flucht- und Migrationsbewegungen unserer Zeit. Lenz wies auf die von GEW und medico international herausgegebene Broschüre ‚Warum Menschen fliehen‘ hin, die über Zusammenhänge zwischen ungleicher Verteilung von Reichtum und Flucht und Migration informiert.

Politik der Gleichschaltung in der Türkei

Ein Waffenembargo gegen die Türkei und eine Friedensbewegung gegen den Krieg in ihrem Land forderte auch die Lehrerin und Gewerkschafterin Sakine Esen Yılmaz, die bis zu ihrer Flucht nach Deutschland im August 2016 Generalsekretärin der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen war. Yılmaz berichtete von Gräueltaten der Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung in den türkischen Kurdenregionen und von Massenentlassungen und Verhaftungen gewerkschaftlich aktiver Lehrerinnen und Lehrer nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei. Die AKP-Regierung unter Staatspräsident Erdogan betreibe nach innen eine Politik der Gleichschaltung und Uniformierung der Gesellschaft und außenpolitisch einen aggressiven Neo-Osmanismus. Deutschland und Europa müssten in dieser Situation an ihren Werten festhalten und sich mit der Opposition in der Türkei solidarisieren.

Was Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften zum Frieden beitragen können

In rotierenden Arbeitsgruppen nach der Methode des World-Café wurden darüber diskutiert, was Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften zur Vermeidung von Kriegen und für eine Erziehung zum Frieden leisten können. Gefordert wurde, Friedens-und Menschenrechtserziehung in die Lehrkräfteausbildung aufzunehmen und in Schulen und Kitas zu implementieren. Die Gewerkschaften der Bildungsinternationale sollten ‚Frieden für alle‘ zum Schwerpunkt ihrer Arbeit machen. Internationale Austauschprogramme müssten stärker gefördert werden. Angesichts massiver Werbung von Schülern für den Militärdienst durch Jugendoffiziere der Bundeswehr sowie der Angst vor Arbeitsplatzverlusten bei Beschäftigen in der Rüstungsindustrie sei es notwendig, sich  gegen den Einsatz der Bundeswehr an Schulen zu stellen und für alternative Konzepte der Rüstungskonversion zu engagieren. Notwendig sei eine Zusammenarbeit mit anderen DGB Gewerkschaften und eine Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Gruppen.

Konferenz europäischer Bildungsgewerkschaften in Belgrad

Einen Ausblick auf die Anfang Dezember in Belgrad stattfindenden Konferenz europäischer Bildungsgewerkschaften im EGBW, der Regionalorganisation der Bildungsinternationale, gab der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller. Das EGBW vertritt 131 Gewerkschaften mit ca. 11 Millionen Mitgliedern in 48 europäischen Ländern. Die alle vier Jahre stattfindenden Konferenz unter dem Titel „Bildungsgewerkschaften stärken: Der Schlüssel zur Förderung von Qualität in der Bildung“ wird u.a. über Resolutionen zur Türkei, zur Flüchtlingskrise, zu Qualität und Chancengleichheit in der Bildung, zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht und zum Status von Beschäftigen an Hochschulen entscheiden. Außerdem wird ein neuer Vorstand gewählt, wobei Andreas Keller erneut zur Wiederwahl als EGBW-Vizepräsident kandidieren wird.  

Vielfalt internationaler Gewerkschaftsarbeit

Die Breite und Vielfalt der internationalen Arbeit der GEW, die oft auch von ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen getragen wird, kam in rund zwanzig Kurzpräsentationen zum Ausdruck, die mit Texten und Fotos an Pinwänden visualisiert wurden. Berichtet wurde über Kooperationen und Austauschprogramme mit Partnern in Burkina Faso, Griechenland, Großbritannien, Kobane, Kolumbien, Kosovo, Nicaragua, Palästina, Polen, der Türkei und den USA, wie auch über die GEW-Teilnahme am Weltsozialforum in Montreal, das gemeinsame Holocaustgedenken israelischer, polnischer, österreichischer und deutscher Bildungsgewerkschaften in Krakau und Auschwitz, den Lehrkräftegipfel von OECD und Bildungsinternationale in Berlin, das Engagement der GEW in der Globale Bildungskampagne, die Projekte der GEW-Stiftung  ‚Fair Childhood - Bildung statt Kinderarbeit‘, die Interessenvertretung für die über 500 GEW-Lehrkräfte an Auslandsschulen durch die GEW-Arbeitsgruppe AuslandslehrerInnen (AGAL) sowie die Aktivitäten internationaler GEW-Arbeitskreise in Hessen, Bremen, Schleswig Holstein und Sachsen.

GEW-Netzwerk für geflüchtete GewerkschafterInnen

In ihrem Ausblick auf die Schwerpunkte internationaler Arbeit der GEW in 2017 berichtete die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe über die in Argentinien geplante dritte Weltkonferenz gegen Kinderarbeit, das deutsch-israelische Seminar in Berlin und den GEW-Gewerkschaftstag in Freiburg, zu dem rund 35 internationale Gäste von Bildungsgewerkschaften aus aller Welt erwartet werden. In Freiburg wird auch über einen Antrag entschieden, zukünftig 0,7 Prozent der GEW-Mitgliedsbeiträge für gewerkschaftliche Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden. Die GEW müsse sich zudem darauf einstellen, dass zukünftig noch mehr in der Türkei verfolgte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter nach Deutschland fliehen werden. Um diesen zu helfen, bedürfe es eines Netzwerks von GEW-Kolleginnen und -Kollegen, die bereit sind, Geflüchtete zu unterstützen. Rund ein Dutzend Anwesende erklärten sich spontan bereit, hier mitzuwirken.

Zurück