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Frauen in der Politik - Was tut sich in der politischen Kultur?

Im April 2013 gab es Grund zu feiern: das 30-jährige Jubiläum des Bundesfrauenausschusses in der GEW und das 20-jährige Jubiläum der Position des hauptamtlichen Mitglieds im Geschäftsführenden Vorstands der GEW, das für Frauenpolitik zuständig ist. Am Freitag, den 26. April, fand in Berlin in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Veranstaltung „Und sie bewegt sich doch… Wie Frauen die politische Kultur verändern“ statt.

26.04.2013 - Anna Schramowski

Heute nehmen wir Frauen in der Politik als selbstverständlich wahr. Wir begegnen ihnen in Zeitungsartikeln und politischen Talkshows. Unsere Bundeskanzlerin besteht als Frau darauf, als Bundeskanzlerin tituliert zu werden. Politikerinnen sind keine Seltenheit mehr und gleichzeitig haben patriarchalische Verhältnisse sich hartnäckig in unserer Gesellschaft gehalten. Die politische Kultur ist immer noch männlich dominiert. Wie verändern Frauen diese männliche politische Kultur und welchen strukturellen Nachteilen in politischen Organisationen begegnen sie dabei? Diese Fragen zu Frauen in der politischen Kultur wurden bei der Veranstaltung mit Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Gewerkschafterinnen unterschiedlicher Generationen diskutiert.

Gleichstellungsaufgaben sind Führungsaufgaben
Laut Prof. Dr. Gertraude Krell gibt es drei unterschiedliche Gründe dafür, warum Frauen die politische Kultur verändern. Erstens, wird Frauen generell unterstellt, alle Frauen würden anders kommunizieren, handeln und führen als Männer. Sie sind eben „anders“.

Zweitens werden viele Frauen als Feministinnen abgestempelt, sie also diejenigen seien, die die bestehende Geschlechterordnung (und somit patriarchalische Verhältnisse) verändern wollen. Feminismus wird hierbei negativ konnotiert.
Steht eine Frau dann erst mal in der Öffentlichkeit, wird ihr häufig mit Argwohn begegnet und sie darf sich keine Fehler erlauben. Sie wird also drittens, zu einer Art „Testfall“, was Frauen in der Politik sofort den Status der „Ausnahme“ aufzwingt.

Infolgedessen strengen Frauen sich überdurchschnittlich an, versuchen sich anzupassen und überanstrengen sich, oder sie schotten sich ab und versuchen sich unsichtbar zu machen. Beide Reaktionen rufen bei Männern eine noch stärkere Betonung auf das „Frau sein“ hervor und eine noch stärkere Betonung auf die männliche Kultur.
Grund dafür mag sein, dass der politische Körper immer noch männlich ist. Das wird besonders deutlich, wenn Politikerinnen Kinder bekommen. Der männliche Politiker gilt als die Norm und die weibliche Politikerin als Ausnahme oder ungewöhnlich. Frauen sollten am besten männlich genug sein, um gewählt zu werden und weiblich genug, um Frau zu sein. Oft schlägt einer Frau von Politikern tief verankerter Antifeminismus entgegen. Dieser Groll macht es Frauen unheimlich schwer, in der Politik anerkannt zu werden. Ähnlich verhält es sich deshalb mit Politikerinnen die Kinder haben. Die Vereinbarkeitsproblematik in den Parteien ist groß und Politikerinnen stehen unter dem ständigen Druck, sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie politische Termine nicht wahrnehmen können. Von Seiten der Männer hagelt es Unverständnis. Dies spiegelt sich in der Repräsentation von Frauen im Parlament wieder. Trotz Quote gibt es zu wenig Politikerinnen. Politische Organisationen, haben in der strukturellen Gestaltung noch einiges zu tun. Gleichstellung sollte für alle Organisationen eine Führungsaufgabe sein.

Politikerinnen in den Medien
Dorothee Beck, Politikwissenschaftlerin und Journalistin stellte vier mediale Stereotypen von Politikerinnen dar, wie sie in den Medien zu beobachten sind. Die Trümmerfrau, die Exotin, die rücksichtslose Egoistin und die neue Generation von Politikerinnen. Wie wird mit Politikerinnen in den Medien umgegangen?
Der Karriereweg der Trümmerfrau bezeichnet Politikerinnen, die sich zwar vorher schon positiv bewährt haben, aber erst in ein hohes Amt gelangen, wenn der männliche Politiker vorher versagt hat und sein Amt räumen musste. Dabei werden ihre Leistungen aus dem Auge verloren, nämlich, dass sie nicht wegen des entstandenen Machtvakuums in das hohe Amt gewählt wurden, sondern weil sie bereits vorher einflussreiche Politik machten und gut vernetzt waren. Das „Können“ der Frau wird heruntergespielt.

Die sogenannte „Exotin“ wird nicht selbst ins Amt gewählt, sondern von mächtigen Männern berufen. In den Medien wird über die Exotin wohlwollend berichtet, weil sie als „Ausnahmefrau“ bezeichnet wird. Überspitzt gesagt: da der Mann die Frau „ins Amt hebt“ ist sie auch geeignet dafür. Der Fokus liegt wieder auf dem als stark angesehenen Mann, und patriarchalische Verhältnisse sind so nicht infrage gestellt.

Der rücksichtslosen Egoistin wird krankhafter Ehrgeiz zugeschrieben. Sobald eine Politikerin sich bereit erklärt, gegen einen schon vorher vom wichtigen Mann gesetzten Kandidaten für ein Amt zu kandidieren, wird sie in den Medien persönlich angegriffen. Wäre an gleicher Stelle ein Mann, wäre ehrgeiziges Verhalten „ganz natürlich“.

Die neue Generation von Politikerinnen hat einen guten glaubwürdigen und kompromissfähigen politischen Stil. Doch diese Attribute sind nicht neu, sie werden nur als „neue Generation“ neu benannt. Tatsache ist nämlich, dass ein guter politischer Stil bei Frauen immer noch zusätzlich begründet werden muss. Es reicht eben nicht aus, einfach nur kompetent zu sein.

Mehr und andere Kommunikation!
Politische Kommunikation bleibt nach wie vor männlich. Die Art der politischen Kultur schließt Frauen teilweise aus Ein Ausschlussmechanismus sind die allseits bekannten Klüngelrunden von Männern. Durch starke Männerbünde ist kaum ein Durchkommen. Doch der Ausschluss von Frauen in politischen Organisationen (aufgrund von deren Strukturen) ist auch in unserer Kultur verankert. Erkennen lässt sich das in anderen Bereichen, wie z.B. Hochschule. Frauen sind systematisch unterrepräsentiert. In politischen Talkshows sitzen ebenfalls überwiegend Männer. Frauenpolitische Themen werden geschickt ausgelagert, obwohl Frauenthemen auch gesellschaftspolitische Themen sind.

„Gleiche Rechte haben wir, gleiche Chancen wollen wir“
Bis Frauen in der Politik gleiche Chancen haben, ist es noch ein weiter Weg. Wie kann der männlichen Dominanz in der politischen Kultur strategisch entgegen gewirkt werden?
In der Gesellschaft ist der Konsens für Folgendes notwendig:
Eindeutig muss die Familienarbeit zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft gerechter verteilt werden. Nur wenn das traditionelle Familienbild sich ändert und auch Männer beruflich kürzer treten (können), wird sich die Situation für Politikerinnen mit Kindern ändern. Parteien sollten außerdem bewusst Frauen rekrutieren. Ebenso notwendig ist die Frauenquote in Unternehmen. Dadurch werden männliche Strukturen aufgebrochen.

Frauen sollten sich untereinander stärken. Ein gutes Mentoring- Programm kann dabei helfen. Indem Frauen sich vernetzen und gegenseitig unterstützen, kann es Frauen leichter fallen, politisch Einfluss zu nehmen und ernst genommen zu werden.

Hinsichtlich der Kommunikation sollten Männer explizit auf sexistisches oder geschlechterdiskriminierendes Verhalten aufmerksam gemacht werden. Nur indem eine Art Öffentlichkeit geschaffen wird, kann auch eine Sensibilisierung stattfinden.

Wichtig ist, dass Vorurteile abgebaut werden. Nur aufgrund ihres Geschlechts ist eine Frau keine schlechtere Politikerin. Diese Geschlechterstereotypisierung sollte bereits bei Kindern thematisiert werden. Eine strukturelle Veränderung hin zu geschlechtergerechter und geschlechtersensibler Bildung ist daher absolut notwendig.

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