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Forschen in Ruinen

Die Hochschulen stecken im Sanierungsstau. Mit der Föderalismusreform 2006 zog sich der Bund aus dem gemeinsam bezahlten Hochschulbau zurück. Uni- und FH-Gebäude wurden Landessache, doch die Länder waren und sind damit massiv überfordert.

12.09.2016

Die Mängelliste an der Universität Köln ist lang: In einzelnen Gebäuden fehlen Deckenplatten, Wände sind von Rissen durchzogen, Fenster schließen nicht mehr richtig, es regnet durch, Fassadenplatten geraten ins Rutschen, die Elektroleitungen sind stellenweise völlig überlastet. Bis 2025 sollen in Köln 1,1 Milliarden Euro verbaut werden - zum Teil für die dringend notwendige Sanierung bestehender Gebäude.

Der Rektor der Universität Bonn, Michael Hoch, schätzt den Sanierungsstau seiner Gebäude auf 500 Millionen bis eine Milliarde Euro. In Kiel kommt Unipräsident Lutz Kipp auf rund 400 Millionen Euro. An der Universität Hamburg rechnet man mit Sanierungskosten von etwa 630 Millionen Euro. Auf 2,9 Milliarden Euro bezifferte die bayerische Staatsregierung den Sanierungsbedarf für die Hochschulen im Land. Instandsetzungen für 1,5 Milliarden Euro haben sich laut Berliner FU-Präsident Peter-André Alt an den Universitäten der Hauptstadt angesammelt.

Aufhebung des Kooperationsverbotes nötig

Schuld ist neben jahrelanger struktureller Unterfinanzierung der Hochschulen die Bildungspolitik in Bund und Ländern. Mit der Föderalismusreform 2006 zog sich der Bund aus dem Hochschulbau zurück. Uni- und FH-Gebäude wurden Landessache, doch die Länder waren und sind damit größtenteils überfordert. Schon 2014 stellte eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung Hannover an 72 Universitäten eine dauerhafte Unterdeckung von 38 Prozent fest.

„Allein für den Bestandserhalt der Hochschulgebäude ohne Universitätsklinika müssen in den Jahren 2017 bis 2025 bundesweit rund 29 Milliarden Euro aufgewendet werden“, schrieben die Kultusminister in einem Beschluss vom Februar 2016. „Trotz der immensen Investitionen, die die Länder im Hochschulbau tätigen, fehlen derzeit noch acht Milliarden Euro, um diesen minimal notwendigen Bedarf zu decken.“ Eine Summe, die nur durch Bundesgeld – und durch eine Aufhebung des Kooperationsverbots – aufgebracht werden kann.

Der vollständige Artikel von Armin Himmelrath ist in der Septemberausgabe der "E&W" zu lesen.

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