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Finanzierung: Die Weiterbildung geht am Stock!

„600 Millionen Euro müssen zusätzlich für die von den Bundesländern öffentlich verantwortete Weiterbildung ausgegeben werden, um den dringendsten Bedarf zu decken“, fordert GEW-Weiterbildungsexperte Ansgar Klinger am Deutschen Weiterbildungstag 2014.

01.09.2014

Die GEW schlägt Alarm: Die Weiterbildung geht am Stock. „600 Millionen Euro müssen zusätzlich für die von den Bundesländern öffentlich verantwortete Weiterbildung ausgegeben werden, um den dringendsten Bedarf zu decken. Kein Land investiert auch nur ein Prozent seiner Bildungsausgaben in die Erwachsenenbildung. Der Schnitt liegt bei 0,34 Prozent“, stellte Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Weiterbildung verantwortlich, in Frankfurt am Main mit Blick auf den Deutschen Weiterbildungstag 2014 fest.

Er bezog sich auf Daten eines Gutachtens, das die GEW bei dem renommierten Bildungsforscher Roman Jaich in Auftrag gegeben hatte. „Die krasse Unterfinanzierung ist ein deutliches Signal, dass Politik die allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung zu wenig Wert schätzt. Dies steht im Gegensatz zu der in Sonntagsreden gerne beschworenen Bedeutung der Weiterbildung als vierter Säule des Bildungswesens in Deutschland und des lebensbegleitenden Lernens.“

In einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft müsse das lebensbegleitende Lernen zu einer Selbstverständlichkeit werden, sagte Klinger. Es eröffne den Menschen die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, an der Gesellschaft teilzuhaben und Mitbestimmungsrechte einzulösen. Zudem trage das lebensbegleitende Lernen dazu bei, persönliche und berufliche Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Mehr pädagogisches Personal nötig

„Wir brauchen mehr pädagogisches Personal, um das Bildungsangebot auszuweiten und zu verbessern, gleichzeitig wollen wir die Arbeitsbedingungen der Lehrenden stabilisieren“, betonte der Weiterbildungsexperte. Deshalb sollten mit den zusätzlichen Geldern Teilnehmergebühren gesenkt oder abgeschafft, die Grundbildung ausgebaut und prekäre Beschäftigung gestoppt werden.

Klinger machte deutlich, dass die steigende „Teilnehmermaut“ ein wichtiger Grund für die sinkende Bildungsbeteiligung sei. „Die Höhe der Gebühren schreckt viele Menschen von Weiterbildung ab. In der Vergangenheit galt folgender Daumenwert: Ein Drittel der Kosten tragen die Länder, ein Drittel übernehmen die Träger, ein Drittel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In diese Richtung müssen wir wieder kommen“.

In ihrem Bildungsfinanzkonzept schlägt die GEW deutlich höhere Ausgaben für alle Bildungsbereiche vor - von der Kita über die Schule, Berufs- und Hochschule bis hin zur Weiterbildung. Dies ist dringend notwendig, soll das Bildungswesen den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Anknüpfend an die Empfehlungen der Expertenkommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ aus dem Jahr 2004 fordert die GEW die Länder auf, ihre Haushaltsansätze für das allgemeine, politische und kulturelle Lernen nennenswert zu steigern.

Entsprechend der Forderung des „Bochumer Memorandum“ 2005 sollen die Anstrengungen für Weiterbildung auf ein Prozent des Bildungsbudgets der Länder in mittlerer Frist wachsen, über alle Länder hinweg bedeutet dies eine Erhöhung um gut 600 Millionen Euro.

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