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Studie der Hans-Böckler-StiftungFinanzierung der Weiterbildung muss modernisiert werden

Die Finanzierung der Weiterbildung sollte laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung modernisiert und ausgebaut werden - etwa nach dem Beispiel Schwedens und Österreichs.

29.10.2019

Frankreich hat Bildungskonten eingeführt, Österreich finanziert eine Bildungsteilzeit und vergibt Fachkräftestipendien, Schweden hat seit langem ein BAföG-System für Erwachsene. Wie es um die Finanzierung von Weiterbildung in Deutschland bestellt ist, hat nun die Hans-Böckler-Stitftung in einer Studie untersucht. Darin bilanziert der Arbeitssoziologe Gerhard Bosch, Senior-Professor am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen: „Mit dem BAföG und der Arbeitsmarktpolitik hat Deutschland schon gute Systeme, an die sich gut anknüpfen lässt. Allerdings müssen diese deutlich modernisiert und ausgebaut werden.“ 

Mehr Weiterbildung ist dem Experten zufolge unerlässlich, damit Beschäftigte den Anschluss an die technologische Entwicklung nicht verlieren, Migrantinnen und Migranten sich in den Arbeitsmarkt integrieren können und die Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter nicht weiter ansteigt. Allerdings wäre es wenig sinnvoll, die bestehenden Strukturen durch gänzlich neue zu ersetzen oder mit zusätzlichen Instrumenten ein undurchsichtiges Fördersystem zu schaffen. Vielmehr ließen sich die bereits bestehenden Institutionen „mit einer überschaubaren Anzahl von Stellschrauben zu einem schlüssigen öffentlichen Fördersystem für lebenslanges Lernen ausbauen“.

Konkret schlägt Bosch acht Maßnahmen vor: 

  • BAföG sollten wie in Schweden auch Ältere beziehen können. Die bisherigen Altersgrenzen von – je nach Art der Förderung – 30 beziehungsweise 35 Jahren sollten aufgehoben werden. Älteren sollten höhere, ihren Lebensumständen angemessene Fördersätze gezahlt werden.  
  • Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und informell erworbener Kenntnisse sollte erleichtert werden.
  • Eine zweite Berufsausbildung sollte allen offenstehen, die ihren ersten Beruf nicht mehr ausüben können.
  • Ein Rechtsanspruch auf Teilfreistellung für Fortbildungszwecke sollte eingeführt werden.
  • Fachkräftestipendien sollten in Mangelberufen vergeben werden – nach österreichischem Vorbild.
  • Arbeitslose, die sich weiterbilden, sollten besser finanziell gefördert werden. Sogenannte lernentwöhnte Langzeitarbeitslose sollten länger gefördert werden.
  • Ein Transformationskurzarbeitergeld zur Bewältigung des Strukturwandels sollte eingeführt werden.
  • Arbeitgeber, die befristet Beschäftige oder Leiharbeiter einstellen, sollten höhere Arbeitslosenversicherungsbeiträge zahlen. 

 

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