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Neue FiBS-Studie veröffentlichtAusbildungschancen für benachteiligte Jugendliche sinken

Die Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) zeigt, dass die raren Ausbildungsplätze vermehrt an Abiturient:innen gehen. Die GEW sieht sich in ihrer Forderung nach einer Ausbildungsgarantie bestätigt.

29.03.2021

Benachteiligte Jugendliche, die schwächere Schulleistungen aufweisen, geraten mehr denn je in Gefahr, im Abseits zu landen, prognostiziert eine im März veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Die Zahl der Ausbildungsanfänger:innen könnte in diesem Jahr auf einen historischen Tiefstand sinken, und die raren Plätze werden vermehrt von Abiturient:innen besetzt. Die GEW sieht mit Blick auf die Ergebnisse der Studie ihre Forderung nach einer Ausbildungsgarantie bestätigt.

Abitur bekommt Signal-Charakter

Die Autor:innen Dieter Dohmen, Klaus Hurrelmann und Galiya Yelubayeva stellen in der Studie zwei wichtige Befunde heraus:

  • Zum Einen machen Abiturient:innen nicht nur einen höheren  Anteil  an allen neuen Ausbildungsverträgen  aus, sondern es steigt auch der Anteil der Abiturient:innen, die im Anschluss an das Abitur eine duale Ausbildung absolvieren.
  • Zum anderen sinken die Übergangschancen in duale Ausbildungen für Jugendliche ohne Abitur, und explizit auch für Jugendliche, die einen Realschulabschluss haben.

Gleichzeitig sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge auf einen neuen historischen Tiefstand: Im vergangenen Jahr 2020 wurden weniger als 470.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen (im Vergleich der vergangenen Jahre ist das ein Rückgang um rund 50.000). Das FiBS prognostiziert für die Folgejahre noch weitere Rückgänge – die GEW berichtete.

Die raren Ausbildungsplätze werden derweil vermehrt von Abiturient:innen besetzt. Das Abitur wird mehr und mehr zur zentralen Zugangsvoraussetzung für eine duale Ausbildung und bekommt damit die Rolle eines „Signals“, so die Studie.

Ausbildungsplätze werden abgebaut

Während vor allem Jugendliche mit Realschulabschluss zwischen qualifizierenden schulischen Berufsausbildungen und dem Erwerb der Studienberechtigung wählen können, stehen diese Optionen Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss kaum bzw. nicht zur Verfügung. Ihnen gelingt seltener der Einstieg in eine duale Ausbildung, und sie münden oftmals ins Übergangssystem. Die Autor:innen rechnen damit, dass die Zahlen im Übergangssystem steigen werden.

Denn gerade in den Branchen, in denen Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen vergleichsweise eher gute Chancen haben, wie im Hotel- und Gaststättengewerbe, im verarbeiteten Gewerbe oder im Handwerk, werden derzeit Ausbildungsplätze abgebaut. Damit wird das Nadelöhr am Übergang Schule – Ausbildung deutlich enger, so die Studie weiter.

Die Studie resümiert: „Deutschland sollte und kann es sich nicht leisten, dass jedes Jahr annähernd eine halbe Million jungen Menschen keine Ausbildungschance hat. Das ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches und insbesondere bildungspolitisches Problem.“

„Daher sollen alle jungen Menschen nach Beendigung ihrer Schulzeit ein Recht auf einen Ausbildungsplatz mit einem anerkannten Berufsbildungsabschluss haben.“ (Ansgar Klinger)

Ansgar Klinger, GEW Vorstand für berufliche Bildung und Weiterbildung, mahnt deshalb: „Eine gute Ausbildung, Arbeit und ein auskömmliches Einkommen sind Grundvoraussetzungen für die individuelle Entwicklung, für die eigenständige Existenzsicherung und die gesellschaftliche Teilhabe eines jeden Menschen. Daher sollen alle jungen Menschen nach Beendigung ihrer Schulzeit ein Recht auf einen Ausbildungsplatz mit einem anerkannten Berufsbildungsabschluss haben. Ein Ausbildungsgarantie würde deutlich auf die Aufgaben und Pflichten der Betriebe, ein auswahlfähiges Angebot betrieblicher Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, verweisen.“