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Feudalistische Verhältnisse an Europäischen Schulen

Ortslehrkräfte an Europäischen Schulen haben seit 1. September ein neues Statut, das Arbeitsbedingungen und Bezahlung regelt. Aus Sicht vieler Betroffener ändert dies an ihrer prekären Arbeitssituation aber kaum etwas.

09.11.2016

Zur weiteren Verbesserung der Situation von Ortslehrkräften an Europäischen Schulen (ES) plädiert die GEW für europäische Tarifverhandlungen. Dafür bedürfe es der Federführung und Koordinierung durch die Regionalstruktur der weltweiten Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften. Bei deren nächster Zusammenkunft im Dezember in Belgrad will die GEW einen Antrag für einen sozialen Dialog und Tarifverhandlungen an den ES einbringen.

In der EU gibt es 14 ES mit 25.000 SchülerInnen. Rund 2.200 Lehrkräfte unterrichten die Kinder der Beschäftigten der Europäischen Kommission und anderer EU-Institutionen. Abgeordnete LehrerInnen  werden von ihrem Heimatland delegiert, haben festgelegte Rechte und beziehen entsprechend den Regelungen ihres Heimatlandes Gehalt sowie Zuschläge. OLK, ursprünglich als Ausnahme für Engpässe gedacht, werden von den Schulen befristet eingestellt. Sie verdienen in der Regel erheblich weniger als ihre abgeordneten KollegInnen. In Frankfurt sind aktuell 100 Orts- und 73 von EU-Ländern abgeordnete Lehrkräfte beschäftigt, in Karlsruhe arbeiten 68 OLK und 51 abgeordnete. In den vergangenen Jahren stieg der OLK-Anteil stark, dies wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Von "unglaublichen arbeitsrechtlichen Zuständen, die gegen alle Konventionen verstoßen", spricht Jörg Cygan, Beauftragter für Europäische Schulen in der AG Auslandslehrkräfte (AGAL) der GEW. "Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die werden seit 25 Jahren mit Einjahresverträgen abgespeist. Es kann sein, dass sie drei garantierte Unterrichtsstunden erhalten, in der Praxis aber 18 Stunden erteilen." Cygan kritisiert: "Für die Ortslehrkräfte gilt das europäische Arbeitsrecht nicht." Ein vom Generalsekretariat der ES in Brüssel geschaffenes Statut bleibe weit hinter den Erwartungen der KollegInnen zurück. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe beklagt: "Gewählte OLK-Vertreter und ihre Gewerkschaften sind zu keiner Zeit in die Erarbeitung des Statuts einbezogen worden."

Der vollständige Artikel von Norbert Glaser mit Erfahrungsberichten von Betroffenen ist in der Novemberausgabe der "E&W" zu lesen.

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