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Fach mit Zukunft: Geragogik

In Karlsruhe qualifiziert ein Masterstudiengang für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen. Doch der jungen Disziplin Geragogik fehlt es an Bekanntheit – und somit an Studierenden.

12.03.2018 - Andrea Toll

Immer stärker rückt das Potenzial der Generation 50plus in den Vordergrund, in der Wirtschaft ebenso wie in der Gesellschaft. Auch das Recht auf lebenslanges Lernen und die Gestaltung eines körperlich und geistig beweglichen Lebens in den vielfältigen Lebenslagen des Alters spielen eine immer größere Rolle. Daraus folgt: Fachkräfte mit alterspädagogischen Kompetenzen sind mehr und mehr gefragt.

Ein Schlüssel zur Weiterbildung in diesem Bereich ist die noch junge wissenschaftliche Disziplin Geragogik, die auf Fragen der Alterspädagogik spezialisiert ist. Als einzige in Deutschland bietet die Pädagogische Hochschule Karlsruhe den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Bildung im Alter“ sowie ein Zertifikatsstudium an. Der Studiengang richtet sich hauptsächlich an Berufstätige, berufserfahrene Wiedereinsteigerinnen und -einsteiger sowie Menschen, die hauptberuflich oder ehrenamtlich im Bildungssektor oder in sozialen Berufsfeldern arbeiten. „Dazu zählen Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Diplom-Soziologinnen und -Soziologen genauso wie junge Menschen mit ganz bunten Karrieren“, umreißt Studiengangsleiterin Mechthild Kiegelmann die Zielgruppe.

„In meinen GEW-Seminaren für Seniorinnen und Senioren sowie in den GEW-Gremien für Seniorenpolitik kann ich das Gelernte gut anwenden,“ (Barbara Haas, in der GEW Baden-Württemberg Fachbereichsleiterin für Seniorenpolitik)

Doch auch Teilnehmende wie die GEW-lerin Barbara Haas, seit fünf Jahren im Ruhestand, erhalten Anregungen und Hintergrundwissen. Die 69-Jährige hatte sich 2016 für das zweisemestrige Zertifikatsstudium angemeldet. Darin stehen E-Learning und Selbstlernphasen ebenso auf dem Programm wie vier Präsenzveranstaltungen: Das Seminar „Gerontopsychologie“ gibt einen Überblick über entwicklungs-, verhaltens- und lernpsychologische Themen; „Gerontopädagogik“ vermittelt Kompetenzen zu Theorien und Methoden der Alterspädagogik. Das Seminar „Lebenslanges Lernen“ regt zur ideologiekritischen Reflexion an und ist für die praktische Bildungsarbeit nutzbar; unter dem Titel „Lebenslage, Alltag und soziale Ausstattung älterer und alter Menschen“ werden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Bildungssystem behandelt.

„In meinen GEW-Seminaren für Seniorinnen und Senioren sowie in den GEW-Gremien für Seniorenpolitik kann ich das Gelernte gut anwenden“, resümiert Haas, die in der GEW Baden-Württemberg Fachbereichsleiterin für Seniorenpolitik ist. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat (Certificate of Advanced Studies, CAS). „Das Zertifikatsstudium dient auch als Schnupperkurs für diejenigen, die nicht gleich ein Masterstudium absolvieren wollen oder können“, erklärt Kiegelmann. Regelstudienzeit für den Master „Bildung im Alter“ sind vier Semester; Voraussetzung ist ein erster akademischer Abschluss.

Studierende willkommen!

Obwohl der Bedarf an Fachkräften da ist und die Berufsperspektiven gut sind, hat der Studiengang noch zu wenig Studierende, um ihn finanzieren zu können. Im vergangenen Oktober startete der vierte Jahrgang – mit je zehn Studierenden im Master- und Zertifikatsstudiengang. Die Gründe für den verhaltenen Start liegen für Kiegelmann auf der Hand: „Es hakt, weil uns die Kapazitäten für Werbung fehlen, und wir zu wenig bekannt sind. Außerdem ist die Höhe der Studiengebühren für den Master ein Hindernis für viele Interessierte.“ Der Masterstudiengang kostet pro Semester 1.600 Euro, das Zertifikatsstudium 1.200. „Im Vergleich zum Weiterbildungsmarkt ist das zwar ein Schnäppchen. Aber wer nicht so viel verdient, kann sich das nicht leisten“, betont die Leiterin. Sie versuche auf verschiedenen Wegen, die finanziellen Hürden zu senken Das sei nicht einfach, denn: „Studiengebühren sind auch ein politisches Thema.“

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