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E&W 9/2016: Lern-Räume

Burn-Out und Frühpensionierung von Lehrkräften haben viele Ursachen. So wurde in den vergangenen Jahrzehnten etwa eine wichtige Rahmenbedingung vernachlässigt: der Raum. Die Architektur von Lern- und Lehrorten ist Schwerpunktthema der neuen "E&W".

05.09.2016

"Angesichts der Milliarden, die in den kommenden Jahren in den Schulbau fließen werden, ist es von immenser Bedeutung, dass es hier nicht nur um Quantitäten, also bloß um zusätzliche Räumlichkeiten, und technische Sanierungen, sondern genauso um die pädagogische Qualität und Funktionalität der Architektur geht", fordert Otto Seydel vom Institut für Schulentwicklung.

Der Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Karl-Heinz Imhäuser, verlangt "dringend andere Lernumgebungen". "Eine zeitgemäße Schule braucht größere Flächen, auf denen sich die unterschiedlichen Lerngruppen variabel je nach Thema und Lernphase organisieren können", sagt er im Interview mit der "E&W".

Die Stadt Osterholz-Scharmbeck bei Bremen hat einen vier Hektar großen "Campus für lebenslanges Lernen" geschaffen - als Bildungs- und Begegnungszentrum für die ganze Stadt. Die Lehrkräfte werden zu Mentoren und Lernbegleitern.

Wie viele Schulgebäude in Deutschland unterdessen marode sind, weiß niemand so genau. Fakt ist aber: Es gibt einen enormen Sanierungsstau. Das Deutsche Institut für Urbanistik schätzt den Bedarf auf 34 Milliarden Euro. An den Hochschulen sieht es kaum besser aus: Mit der Föderalismusreform 2006 wurden Uni- und FH-Gebäude Landessache. Doch die Länder waren und sind überfordert.

Nur durchschnittlich 2,5 bis 3 Quadratmeter Innenraum steht übrigens einem Kita-Kind in Deutschland zur Verfügung. Zu wenig nach Meinung von Experten. Die GEW kritisiert, bei Neubauten fehle es an bundeseinheitlichen Regeln für Architekten.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zahlt den Trägern seit Juli eine höhere Pauschale pro Kursteilnehmer und Unterrichtseinheit - statt 3,10 nun 3,90 Euro. So soll die Honoraraufstockung finanziert werden. Deutsch-als-Fremdsprache (DaF)-Lehrkräfte mit 25 Unterrichtswochenstunden kämen dann laut GEW-Berechnungen auf ein Bruttoeinkommen von 2.400 Euro. "Doch viele Kursträger geben die Zuwächse nicht an die Dozentinnen und Dozenten weiter", sagt die selbstständige Lehrerin Susanne Schmidt-Lossau.

"Wer Integrationsarbeit leistet, verdient Besseres als ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau", betont GEW-Weiterbildungsexperte Ansgar Klinger. Die sogenannte freie Mitarbeit in der Weiterbildung – nicht nur in den Integrationskursen – sei in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu überführen, wenn eine Honorarlehrkraft ihren Lebensunterhalt überwiegend mit dieser Tätigkeit bestreite.  

Die GEW startet derweil mit "Bildung. Weiter denken!" eine Initiative für bessere Lern- und Arbeitsbedingungen sowie mehr Geld für Bildung. Im unterfinanzierten Bildungsbereich stehen die Beschäftigten unter anderem vor den Herausforderungen Inklusion, Ganztag und Geflüchtete.

Beim Thema Migration schaut die neue "E&W" nach Hessen: Die dortige Beratungsstelle "response" unterstützt Menschen nach einem rassistischen Angriff. Das Team kommt mit der Arbeit kaum hinterher. Auch bundesweit gilt: Der Bedarf ist größer als die Kapazitäten. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) haben sich die Attacken auf Flüchtlingsheime 2015 im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht.

In der Serie "Vorurteil und Fakt" zu Klischees über geflüchtete Menschen analysieren und hinterfragen wir folgende Aussage: "Ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland kann sich so viele Flüchtlinge nicht leisten."

In Osteuropa Schuhe zu produzieren, ist noch billiger als in China. Dass auch die ArbeiterInnen in den Schuhfabriken Rumäniens oder Albaniens Hungerlöhne bekommen, weiß kaum jemand. In einer Untersuchung mit dem Titel "Labour on a Shoestring" sowie über die Firmenbefragung "Trampling workers rights underfoot" hat die Kampagne für saubere Kleidung Arbeitsbedingungen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Polen, Rumänien und Slowakei unter die Lupe genommen.

In Sachsen-Anhalt können Schüler nicht mehr die Hilfe der Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen, wenn ihre Eltern nicht vorher einen Fragebogen mit persönlichen Daten ausgefüllt haben. EU-Vorgaben haben zu der bundesweit einmaligen Situation geführt. Neben Personenangaben enthält das Dokument Fragen zum Migrationshintergrund, zur Erwerbs- und Familiensituation der Eltern und zu Behinderungen. 

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der Deutsche Schulpreis geht an die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf. Dort steht der individuelle Lernweg jedes Kindes im Mittelpunkt. Und auch bei der jüngsten VERA-Erhebung schnitt die Schule weit über dem Landesdurchschnitt ab.

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