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E&W 5/2017: Inklusion

17.05.2017

Deutschland ist noch weit davon entfernt, das Inklusionsziel der UN-Konvention zu erfüllen. Förderschulen behaupteten sich nach wie vor, schreibt der Bildungsforscher Klaus Klemm in einem Gastbeitrag für die Mai-"E&W" mit Schwerpunkt Inklusion.

Die Fortschritte in den Ländern sind Klemm zufolge derweil unterschiedlich: Während Bremen und Schleswig-Holstein schon weit gekommen sind, hinken Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hinterher. Viele Lehrkräfte unterstützen zwar Inklusion, doch wegen schlechter Rahmenbedingungen häufen sich bundesweit Proteste. Fünf Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen berichten aus ihrem inklusiven Alltag. Die Klagen: Mangelhafte Ressourcen, fehlende Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte, schlechte Ausbildung, zu wenig Fortbildung und eine Fachdidaktik, die noch nicht auf Inklusion ausgerichtet ist. GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann sagt: "Wir müssen von der Politik mit allem Nachdruck die Rahmenbedingungen und Ressourcen einfordern, die zum Gelingen inklusiver Bildung notwendig sind."

Auch die Qualität von Kinder- und Jugendhilfe muss verbessert werden. Das war Konsens beim Kinder- und Jugendhilfekongress der GEW im April in Berlin. Neustrukturiert werden muss nach Ansicht der GEW auch die Promotionsphase: Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Promovierenden bricht derrzeit ihr Forschungsprojekt ab.   

In den meisten Bundesländern sind Flüchtlingskinder in Erstaufnahmeeinrichtungen zunächst von der Schulpflicht ausgeschlossen. Problematisch ist dies für Kinder aus sogenannten sicheren Herkunftsländern: Ihr Recht auf Bildung könnte dauerhaft verwehrt bleiben.

Unterdessen verdienen Deutschkursleitungen an kommunalen Volkshochschulen 20 bis 23 Euro pro Stunde, also knapp 1.000 Euro netto pro Monat. "Knapp über dem  Existenzminimum", kritisiert die GEW und fordert Tarifverträge für Honorarkräfte.

In ihrer Serie "Wirtschaftsmythen contra Fakten" räumt die "E&W" in Teil 4 auf mit der Behauptung, hohe Steuern schadeten der Wirtschaft und kosteten Arbeitsplätze. Richtg ist: Guter Marktzugang, qualifizierte Arbeitskräfte und ausgebaute Infrastruktur sind für Investoren wichtiger als niedrige Steuern.

Der Staat könnte nach Ansicht des Politologen Tobias Kaphegyi auch mehr Geld für Bildung, den sozialen Zusammenhalt und eine bessere Infrastruktur ausgeben: "Ein sozial-ökologischer Wandel muss über einen handlungsfähigen Staat eingeleitet werden und ist finanzierbar", schreibt er.

Das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus (AGR) will derweil 10.000 Bürgerinnen und Bürger schulen, um sich gegen rechte Parolen zur Wehr setzen können. Die "E&W" hat Berliner "Stammtischkämpfer" besucht.

Ein neues Gesetz sieht vor, die nach dem 1969 abgeschafften Paragrafen 175 verurteilten Homosexuellen zu rehabilitieren. Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren will auch nichtinhaftierte Opfer entschädigen.

Von Jugendlichen, die das Schulsystem rausgekickt hat oder die sich selbst herauskatapultiert haben, erzählt der Film "Berlin Rebel High School". In Berlin-Kreuzberg haben sie einen Ort gefunden, der sie auffängt. Filmstart ist am 11. Mai.

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