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E&W 4/2017: Berufswahlswahl: Was will ich werden?

Männer arbeiten als Mechatroniker und Frauen als Arzthelferin: Laut dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut haben sich die Frauenanteile in den meisten Berufen in den vergangenen 35 Jahre kaum verändert. Die "E&W" geht den Gründen nach.

03.04.2017

Jungen wählen oft technische, Mädchen häufig soziale und kommunikative Berufe: Trotz Initiativen wie dem 2001 gestarteten Girls'Day oder dem 2008 ins Leben gerufenen Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen setzt sich eine geschlechtsstereotype Berufswahl beharrlich fort. Dafür gibt es viele Gründe: "Es ist ein Zusammenspiel von Präferenzen und Persönlichkeit, biologischen Faktoren und Sozialisation", sagt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Bublitz vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Die Berufsbildungsexpertin Angelika Puhlmann plädiert für mehr "Grenzüberschreitungen" bei der Berufswahl. Mädchen und Jungen sollten schon frühzeitig Einblick in ein breites - auch für sie "untypisches" - Berufsspektrum erhalten. Für eine gendersensible Berufsorientierung sind Lehrkräfte mit Genderkompetenz notwendig. Die meisten Klassenlehrkräfte seien dagegen oft nicht speziell ausgebildet, kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin Hannelore Faulstich-Wieland. 2016 nahmen rund 100.000 Mädchen am Girls' Day und 30.000 Jungen am Boys' Day teil. Rund 50 Prozent der befragten Mädchen und etwa 43 Prozent der Jungen gaben nachher einen geschlechtsuntypischen Wunschberuf an.

Außerdem widmet sich die "E&W" erneut dem Thema Altersvorsorge: Wann kann ich in Rente gehen? Mit welchen Abschlägen muss ich rechnen, wenn ich früher aufhöre als gesetzlich vorgesehen? Und wenn ich nach der Regelaltersgrenze weiterarbeiten will? Wir geben mit drei fiktiven Fällen Tipps. Der Rentenexperte Alfred Spieler gibt dem aktuellen Rentensystem unterdessen nur die Schulnote "drei bis vier". "Das Grundproblem ist nicht gelöst, weil die Renten hinter der Lohnentwicklung zurückbleiben", kritisiert er. Nach Ansicht der GEW muss die gesetzliche Rente wieder gestärkt werden. Die Politik müsse das Rentenniveau wieder auf 50 Prozent des Durchschnittsentgelts anheben, fordert Vorstandsmitglied Frauke Gützkow. Derzeit sind es gerade mal 43 Prozent.

Doch auch junge Menschen haben zunehmend Geldsorgen. Viele stehen inzwischen oft erst im dritten Lebensjahrzehnt wirtschaftlich auf eigenen Füßen. Die GEW plädiert daher für eine finanzielle Grundsicherung für junge Erwachsene auch über die Volljährigkeit hinaus. Im April setzt die "E&W" zudem die Serie "Wirtschaftsmythen contra Fakten" fort. Teil drei erklärt, dass die absolute Zahl der für Bildung ausgegeben Mittel darüber hinwegtäuscht, dass der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt tatsächlich gesunken ist. Der Politologe Tobias Kaphegyi fordert derweil den Wiederaufbau des Sozialstaates über staatliche Ausgabenerhöhungen - vor allem in Bildung.

Außerdem in der Aprilausgabe der "E&W":

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