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E&W 2/2017: Mehr Zeit für Bildung

Bei der Bildung wird zunehmend aufs Tempo gedrückt: Schulen und Hochschulen organisieren den Lernbetrieb als Wettrennen um knapp gehaltene gute Noten und Credit Points. Diese Art von Bildung bleibe jedoch kaum haften, kritisieren Experten.

06.02.2017

Der Pädagogikprofessor Fritz Reheis plädiert für eine Entschleunigung von Schulen und Hochschulen. Aktuell praktizierten Schüler und Studierende ein "Bulimielernen", kritisiert er: "Hinunterschlingen, Herauskotzen und Vergessen."

Andere Bildungsexperten kritisieren zu starre Zeitstrukturen an Schulen. "Wann ein Schüler etwas verstanden hat, richtet sich nicht nach der Schulklingel", ist ein Argument. Je heterogener die Schüler seien, desto unterschiedlicher sei auch das Lerntempo.

Die Kitas der Sozialakademie am Standort Sachsen haben ihre zeitlichen Abläufe verändert. Die Kinder können selbst entscheiden, wann sie essen oder sich ausruhen möchten. Ziel ist es, "besser zu lernen, uns auf die kindlichen Bedürfnisse einzulassen".

Hochschullehrkräfte haben derweil immer weniger Zeit für Forschung und Lehre. Stattdessen nimmt der Aufwand für Verwaltungsaufgaben zu. Angestellte wissenschaftliche MitarbeiterInnen klagen zugleich weiter über unsichere Perspektiven.  

Seitdem die Hochschulen auf Bachelor- und Master-Studiengänge umgestellt haben, ist auch der Leistungsdruck auf Studierende gestiegen. Zittau-Görlitz leistet Pionierarbeit: mit einem in Deutschland einmaligen Hochschulsozialarbeiter.

Viele Geflüchtete sind jung und im ausbildungsfähigen Alter. Bundesweit gibt es allerdings immer noch zu wenig geeignete Qualifizierungsmaßnahmen. Die GEW fordert eine Reform bei der Anerkennung erworbener formaler und nonformaler Kompetenzen.

Der Erwerb der deutschen Sprache ist indes zentral für die soziale Inklusion. Forschungsergebnisse belegen, dass Kinder weder durch den simultanen Erwerb zweier Sprachen noch durch den frühen Zweitspracherwerb überfordert werden.

Im Februar setzt die "E&W" die Serie "Vorurteil und Fakt" fort und räumt mit Klischees über geflüchtete Menschen auf. Dieses Mal geht es um die Behauptung: "Es gibt so viel Armut in Deutschland. Aber die Flüchtlinge leben in größeren Wohnungen und sind auch noch umsonst krankenversichert ..."

In der neuen Serie "Fakten contra Wirtschaftsmythen" klärt die Redaktion zudem auf über die irreführenden politischen Schlussfolgerungen aus den vielfach gemeldeten Steuerrekorden.

Der klassische Rechtsextremismus macht derweil einem neuen Rechtspopulismus Platz, dessen Themen sich zum Teil aus neurechten Ideologien speisen. Statt über "Rassen" wird jetzt über eine "kulturelle Identität" der Völker gesprochen. Die GEW ruft auch daher alle KollegInnen an den Bildungseinrichtungen auf, sich vom 13. bis 26. März an den Internationalen Wochen gegen Rassismus zu beteiligen.

Unterdessen müssen sich die Gewerkschaften in Peru noch immer von den Folgen der Diktatur erholen, die das Land bis Ende 2000 beherrschte. Peru liegt mit einem landesweiten Anteil von 5,2 Prozent gewerkschaftlich organisierter Arbeitskräfte auf dem letzten Platz in Lateinamerika.

Deutsche Unternehmen sollen künftig sicherstellen, dass ihre Zulieferer im Ausland Menschenrechte achten und Kinderarbeit ächten. Einen entsprechenden Nationalen Aktionsplan (NAP) verabschiedete die Bundesregierung Ende 2016. Unglücke wie in Rana Plaza 2013, als beim Einsturz eines Fabrikgebäudes über 1.100 Menschen starben, soll es nicht mehr geben.

 

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