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E&W 1/2017: Länder-Tarifrunde 2017: Sechs Prozent mehr

11.01.2017

Die Gewerkschaften gehen mit Forderungen mit einem Gesamtvolumen von sechs Prozent in die Tarifrunde für die angestellten Lehrkräfte und die Landesbeschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Die neue "E&W" erklärt, worum es geht.

2016 erzielte der Staat dank hoher Steuereinnahmen und niedriger Zinslast 20 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss. "Wann, wenn nicht jetzt, sollte es Lohnerhöhungen geben?", fragt der DGB-Wirtschafts- und Finanzexperte Mehrdad Payandeh, in seinem Gastkommentar. Auch internationale Organisationen fordern von Deutschland höhere Löhne für die Beschäftigten.

Der GEW-Tarifexperte Andreas Gehrke schwört alle Gewerkschaftsmitglieder in der anstehenden Tarifrunde auf ein enges Miteinander ein: "Allen Beschäftigten muss bewusst sein, dass sie nur gemeinsam eine kräftige Lohnerhöhung erkämpfen können." "Der Frust in den Lehrerzimmern ist groß", betont Jörg Becker, seit 30 Jahren Mathelehrer an einer Oberschule in Leipzig. "Bei der Pflichtstundenzahl liegen wir im Bundesvergleich immer am oberen Ende – aber beim Gehalt ganz unten."

Boulevardmedien zufolge zahlt übrigens das oberste Zehntel der Einkommensbezieher 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Bezieht man jedoch die Sozialabgaben ein, kommt eine deutlich niederigere Zahl heraus.

Die Bundesregierung solle den Kommunen die Aufgaben der Pflegeversicherung übertragen, fordert der Sozialexperte Thomas Klie mit Blick auf den Siebten Altenbericht der Bundesregierung. Der Bund müsse die lokale Politik finanziell so ausstatten, dass diese für ein gutes Leben im Alter sorgen kann. In Sachsen und Nordrhein-Westfalen laufen bereits beispielhafte Modellprojekte dazu, wie ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter in der Kommune gelingen kann. Selbsthilfe könne dabei nur eine Ergänzung sein, betont GEW-Seniorenexperin Frauke Gützkow. Sie gelinge nur, wenn der Staat die SeniorInnen systematisch unterstütze, eine angemessene Infrastruktur und genügend Ressourcen zur Verfügung stelle.

Mit Blick auf die jüngst vorgestellten neuen PISA-Ergebnisse kommentiert GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann: Die öffentliche Rezeption der PISA-Studie gleiche der Reaktion auf Bundesligatabellen oder olympische Medaillenspiegel. Das Hauptproblem des deutschen Bildungssystems werde indes kaum angegangen. Schlechte Noten gibt es übrigens auch für deutsche Schulmensen. Mit der Initiative "Bildung. Weiter denken!" will die GEW Druck auf die Politik machen: Bund, Länder und Kommunen sollen mehr Geld für Bildung bereitstellen. Jetzt geht die Initiative in die zweite Runde - mit dem Thema Gute Arbeit.

Ihre Serie "Vorurteil und Fakt" setzt die "E&W" mit dem Aufräumen folgendes Klischees fort: "Die Flüchtlinge, die rüber kommen, sind doch alle Analphabeten..." Fremdenfeindlichkeit macht derweil auch vor Klassenzimmern nicht Halt. Das Modellprojekt "Starke Lehrer – starke Schüler" in Sachsen will PädagogInnen an berufsbildenden Schulen im Kampf gegen Rechtsextremismus unterstützen. In Hamburg profitieren geflüchtete Jugendliche von einem bundesweit einmaligen Schulangebot: Sie werden gleichzeitig auf Schulabschluss und Ausbildung vorbereitet. Sprachförderung erhalten sie dabei auch im Betrieb.

Unterdessen will die GEW in Thüringen die ihrer Ansicht nach ungerechte und zu geringe Bezahlung von Fachleitungen angehender Lehrkräfte nicht länger hinnehmen – und hat in der seit fünf Jahren schwelenden Auseinandersetzung Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

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