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Erste Auswahlrunde der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“

In der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern stehen die erfolgreichen Hochschulen der ersten Bewilligungsrunde fest. 19 Projekte an Universitäten aus neun Bundesländern wurden als förderwürdig eingestuft, teilte gestern die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) mit.

05.03.2015

Mit ihrer Qualitätsoffensive möchten Bund und Länder Reformen in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung unterstützen und zur Aufwertung des Lehramtsstudiums beitragen.

Die GEW begrüßt, dass die Förderung aus dem bereits vor zwei Jahren beschlossene Bund-Länder-Programm endlich aufgenommen werden kann. „Ich gratuliere allen Universitäten, die das Auswahlgremium mit ihren Konzepten für eine innovative Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern überzeugen konnten. Sie haben jetzt die Chance, Impulse für die überfällige Weiterentwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu setzen. Inklusion, Zuwanderung, Ganztagsunterricht, digitale Bildung – nicht nur die Anforderungen an die Schulen nehmen zu, auch die Herausforderungen für Lehrkräfte werden immer größer. Ich wünsche mir, dass die geförderten Hochschulen tragfähige Konzepte für eine zukunftsfähige Ausbildung entwickeln, von der nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer von morgen, sondern auch deren Schülerinnen und Schüler profitieren“, sagte der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der GEW, Andreas Keller.

Zugleich betonte der der GEW-Vize, dass sich die Probleme in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung nicht allein durch die Förderung ausgewählter Projekte an wenigen Universitäten lösen lassen. "Die Impulse der ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ müssen auch in der Breite wirksam werden. Alle Lehramtsstudierenden haben das Recht auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung, alle Schülerinnen und Schüler den Anspruch auf bestmöglichen Unterricht – gute Lehrerinnen und Lehrer für alle!“, betonte Keller.

Dem könnte aber der wettbewerbliche Ansatz der Qualitätsoffensive zuwiderlaufen. Mit dem Bund-Länder-Programm werden Hochschulen systematisch dazu ermuntert, sich im Wettbewerb mit anderen Hochschulen als besonders „exzellente“ Lehrerbildungsstandorte zu profilieren. Dies kann am Ende zu Lasten der Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit der Studiengänge sowie der Mobilität der Studierenden gehen. Entscheidend ist daher einerseits, dass Bund und Länder die gegenseitige Anerkennung von Hochschulen und Studienabschlüssen gesetzlich garantierten. Zum anderen müssen die über die Qualitätsoffensive geförderten Universitäten andere Hochschulen und die Öffentlichkeit an ihren Ergebnissen teilhaben lassen und einen Wissenstransfer in die Praxis organisieren. Die Kluft zwischen der theoretischen Ausbildung an den Universitäten auf der einen Seite und der praktischen Ausbildung in zweiten und dritten Phase der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (Referendariat, Fort- und Weiterbildung) auf der anderen Seite muss überwunden werden.

Die Politik ist darüber hinaus gefordert, die Rahmenbedingungen für alle lehrerbildenden Hochschulen spürbar zu verbessern – und zwar nicht nur für fünf oder zehn Jahre, sondern auf Dauer. „Bund und Länder müssen zum einen deutlich mehr Studienplätze in der Lehrerbildung schaffen – auch um dem sich in einzelnen Bereichen verschärfenden Lehrkräftemangel entgegen zu wirken. Zum zweiten müssen sie alle Hürden beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium beseitigen – weder Quote noch Note dürfen dazu führen, dass Lehramtsstudierende mit einer halbfertigen Ausbildung auf die Straße gesetzt werden. Zum dritten kommt es darauf an, die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden substanziell zu verbessern“, mahnte Keller.

Ungünstige Betreuungsrelationen und schlechte Studienbedingungen sind eine wesentliche Ursache für hohe Abbruchquoten und zu lange Studienzeiten. Bund und Länder müssen jetzt den durch die Lockerung des Kooperationsverbots im Grundgesetz gewonnen Handlungsspielraum tatsächlich nutzen.

Der stellvertretende GEW-Vorsitzende bot schließlich die Expertise seiner Gewerkschaft bei der Umsetzung der Projekte und bei den weiteren Förderentscheidungen im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ an. „Es ist bemerkenswert, dass im Auswahlgremium der Qualitätsoffensive zwar zu Recht Experten aus Bildungswissenschaft, Ministerialbürokratie, Studierendenschaft und Studienseminaren beteiligt sind, aber keine Vertreterinnen und Vertreter der beruflichen Praxis – die Lehrerinnen und Lehrer."

Die GEW schlägt daher eine Erweiterung des Gremiums um Vertreterinnen und Vertreter der rund 700.000 Lehrkräfte in Deutschland vor. Sie können sehr konkrete Hinweise geben, wo die Weiterentwicklung der Ausbildung ihrer Profession ansetzen muss, ist sich der Hochschul-Experte sicher.

Weitere Informationen zur Qualitätsoffensive

Die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ umfasst zwei Förderphasen: 2014 bis 2018 und 2019 bis 2023. Für die die Förderung über den Zeitraum von zehn Jahren stehen insgesamt bis zu 500 Millionen Euro bereit. In der nun abgeschlossenen ersten Bewilligungsrunde kamen 19 Projekte aus neun Bundesländern zum Zuge, davon allein 13 in den drei Ländern Bayern (vier Projekte), Hessen (vier Projekte) und Nordrhein-Westfalen (drei Projekte). Die Frist für die zweite Bewilligungsrunde endet am 12. Juni 2015.

Die GEW hat bereits 2012 im Rahmen einer Bundestagsanhörung zur damals geplanten „Exzellenzinitiative Lehrerbildung“ Stellung genommen. Die schriftliche Stellungnahme des GEW-Sachverständigen Andreas Keller kann über die Pressemitteilung in der rechten Spalte heruntergeladen werden.

GEW-Zukunftsforum Lehrer_innenbildung

Öffentliche Fachtagung am 28. Mai

In ihrem „Zukunftsforum Lehrer_innenbildung“ erarbeitet die GEW derzeit eigene Leitlinien für eine innovative Lehrer_innenbildung. Grundlage dafür ist der vom Düsseldorfer Gewerkschaftstag der GEW 2013 verabschiedete „Aktionsplan Lehrer_innenbildung“.

Die nächste öffentliche Fachtagung im Rahmen des GEW-Zukunftsforums findet am 28. Mai 2015 in Erkner (bei Berlin) statt. Sie widmet sich dem Thema „Inklusion und Lehrer_innenbildung“.

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