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Digitalpakt SchuleEine Daueraufgabe

Der Bund stellt 500 Millionen Euro bis 2024 bereit, damit die Schulträger IT-Administratorinnen und -Administratoren einstellen können. Wann werden die Gelder fließen?

03.03.2021 - Matthias Holland-Letz, freier Journalist

„Noch warten wir auf die Förderrichtlinien der Länder“, sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, der die Interessen der Kommunen vertritt. Ohne diese Richtlinien „können die Städte kein Geld für IT-Fachkräfte an den Schulen beantragen“, so Dedy. Die Bund-Länder-Vereinbarung für das 500-Millionen-Euro-Paket hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am 3. November 2020 unterzeichnet, als Ergänzung zum Digitalpakt Schule.

Das Kultusministerium Baden-Württembergs gab am 3. Dezember 2020 bekannt: Es sei „unerheblich“, ob der Schulträger IT-Fachkräfte anstelle oder einen Dienstleister beauftrage. Das Antragsverfahren übernehme die L-Bank, die Staatsbank des Landes Baden-Württemberg. Bewilligungen seien „vo-raus-sichtlich“ ab dem 1. April 2021 möglich. Baden-Württemberg erhält aus dem Fördertopf 65 Millionen Euro. Die Stadt Stuttgart (609.000 Einwohner) erklärt auf E&W-Anfrage: Man benötige 29 Stellen im Bereich Schul-IT. Sollten jedoch alle Lehrkräfte und sämtliche 80.000 Schülerinnen und Schüler an städtischen Schulen mit je einem Endgerät ausgerüstet werden, seien „weitere Stellen notwendig“. Stuttgart hat seit Dezember 2020 zwei Stellen besetzt, jeweils unbefristet.

Der Freistaat Sachsen teilt mit, dass die landesweite Förderverordnung voraussichtlich im März 2021 in Kraft tritt. Bis zum 30. Juni 2021 können öffentliche und private Schulträger Anträge stellen. Sachsen rechnet mit 25 Millionen Euro aus dem Fördertopf. Die Stadt Bautzen (40.000 Einwohner) geht davon aus, dass sie für die IT-Administration an den zehn städtischen Schulen mit einer Zwei-Drittel-Stelle („ca. 2/3 Vollzeitäquivalente“) auskommt. Die Stelle werde „im Herbst 2021“ besetzt, so Amtsleiter Markus Gießler.

Großer Fachkräftemangel

Laut Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) befindet sich die Förderrichtlinie derzeit „in Abstimmung innerhalb der Landesregierung und dem Bund“. Die Schulträger in NRW können mit den Fördermitteln auch die Qualifizierung von IT-Administratoren finanzieren – mit bis zu 10.000 Euro pro Fachkraft. NRW stehen 105 Millionen Euro zu. Die Stadt Recklinghausen (120.000 Einwohner) berichtet, dass sie bereits im Sommer 2020 einen IT-Medienberater eingestellt habe – auf eigene Kosten, für die „Erstellung pädagogisch-technischer Einsatzkonzepte“ sowie für „IT-Beschaffung“. Im März 2021 werde eine kommunale Medienentwicklungsplanerin mit ihrer Tätigkeit beginnen.

„Unbefristete Vollzeitstelle“, Entgeltgruppe 9b Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) (Einstiegsgehalt: 3.074 Euro brutto), inklusive „leistungsorientierter Bezahlung“. Zu diesen Bedingungen suchte der Landkreis Nienburg/Weser mit Bewerbungsfrist 15. Januar 2021 einen „IT-Administrator/in (m/w/d)“ für den Schulbereich. Ob die Stelle inzwischen besetzt werden konnte, will der Landkreis nicht verraten. Pressesprecher Michael Duensing betont jedoch: „Generell ist festzustellen, dass in der IT-Branche der Fachkräftemangel zum Tragen kommt und eine größere Bewerberanzahl zu begrüßen wäre.“

IT-Fachleute seien „im Zuge der Pandemie in allen Branchen gefragter denn je“, unterstreicht auch Dedy vom Deutschen Städtetag. Es komme deshalb darauf an, „langfristig attraktive Bedingungen für die neuen Kolleginnen und Kollegen zu schaffen“. Die Kosten der Schulträger für den Betrieb, das Personal, den technischen Support und den Kauf neuer Geräte würden „auch nach 2024“ hoch sein, so Dedy. „Bund, Länder und Kommunen müssen dafür ein gemeinsames Konzept für die Finanzierung erarbeiten.“ Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe erklärte bereits im Juni 2020: „Es ist richtig, dass sich der Bund jetzt auch an der Ausbildung und Finanzierung der IT-Administratoren beteiligt“. Dies sei, so Tepe, „jedoch eine Daueraufgabe, die eine dauerhafte Unterstützung benötigt“.