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Weltkonferenz zu Hochschule und Weiterbildung “Education is a solid rock”

Was tun gegen prekäre Arbeitsbedingungen und Kommerzialisierung von Bildung in Hochschule, Forschung und Weiterbildung? Dies waren die zentralen Themen einer Weltkonferenz der Bildungsinternationale Mitte November in Taiwan.

30.11.2018 - Nina Ulbrich, Julia Landgraf, Claudia Kiessling

Vom 12. bis 14. November 2018 fand die elfte Further and Higher Education & Research Konferenz der Bildungsinternationalen mit über 80 Teilnehmer*innen aus fünf Kontinenten in Taipeh (Taiwan) statt. Die GEW wurde durch Nina Ulbrich, Julia Landgraf und Claudia Kiessling vertreten. Bereits bei der Auftaktveranstaltung – Berichte aus aller Welt in 90 Minuten – wurden die zentralen Themen der Konferenz gesetzt: prekäre Arbeitsbedingungen und Kommerzialisierung von Bildung. So unterschiedlich die Rahmenbedingungen für Hochschulen und Forschung weltweit auch sind, die Herausforderungen ähneln sich. Julia Landgraf konnte dabei als Panellist einen Überblick über die aktuellen Herausforderungen im Hochschulbereich in Deutschland und die laufenden GEW-Aktivitäten geben.

Hochschulbildung als Menschenrecht
In den folgenden Tagen beschäftigten sich die Teilnehmer*innen in Plenarveranstaltungen und Workshops mit unterschiedlichen Facetten dieser Themen. Der Fokus lag auf einem Austausch von erfolgreichen gewerkschaftlichen Strategien für qualitativ hochwertige Forschung und Lehre sowie einen gleichberechtigten Zugang zu Hochschulen und Weiterbildung. Gleich zu Beginn der Konferenz wurde deutlich: die Teilnehmenden der Konferenz sehen die Grundlage dafür in der Anerkennung von Hochschulbildung als Menschenrecht und nicht als Privileg einiger Weniger. Die Bildungsinternationale und ihre Mitgliedsorganisationen wissen um die gesellschaftliche Relevanz von (Hochschul-)Bildung als öffentlichem Gut und machen sich für deren Erhalt stark. Oder wie eine Teilnehmerin es auf den Punkt brachte: „If you think education is expensive, try to put a price tag on ignorance!“

Erfolge in den USA und in Ghana
Auch der Austausch von best-practice Beispielen im Kampf um eine Verbesserung der finanziellen Ausstattung öffentlicher Hochschulen und bessere Arbeitsbedingungen wies auf die Verwobenheit von gewerkschaftlichen Kernthemen mit Aspekten der gesellschaftlichen Verantwortung hin. Nicht nur das eindrückliche Beispiel der „Red for Ed“ Kampagne der US-amerikanischen Bildungsgewerkschaft NEA machte deutlich: für erfolgreiche Kampagnen braucht es Solidarität von Studierenden und gute Zusammenarbeit mit anderen Betroffenen der Privatisierungsspirale im öffentlichen Bildungssektor. Erfolgreiche Proteste der ghanaischen Hochschullehrergewerkschaft UTAG zeigten zudem, wie wichtig es ist, sich gegen eine Entdemokratisierung der Hochschulen und damit einhergehende Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit zu wehren.

Gefährdung akademischer Freiheit
Die angebotenen Workshops zu Prekarisierung und Befristungen von Mitarbeiter*innen an Hochschulen, zu Bewertung von Bildung und Forschung durch Evaluation, zu Rankings und metrische Kennwerte boten die Möglichkeit, verschiedene Auswirkungen der Kommerzialisierung von Hochschulbildung zu diskutieren und nach Möglichkeiten gewerkschaftlicher Praxis zu suchen, um dessen Wettbewerbsmechanismen zu durchbrechen. Ein weiteres zentrales Workshopthema war die Gefährdung der akademischen Freiheit: In Deutschland ist diese analog zu anderen EU-Staaten vor allem durch die Abhängigkeit im Beschäftigungsverhältnis durch Befristungen und/oder (industrielle) Drittmittelförderung bedroht. Am Beispiel Japan wurde deutlich, dass die Gefährdung der akademischen Freiheit in anderen Ländern noch sehr viel weiter geht: Hier werden private Aussagen von Wissenschaftler*innen auf sozialen Netzwerken ausgewertet und beeinflussen konkret die Beschäftigungsperspektiven der jeweiligen Personen.

Open Access als Ziel
Eine diskussionsreiche Plenarveranstaltung widmete sich dem Thema Open Access und dessen Potenziale für eine Demokratisierung des Wissens und gute Forschung. Dem Ideal nach sorgt Open Access für Transparenz und Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen und schiebt kommerziellen Verlagen wie z. B. Elsevier oder Springer einen Riegel vor. Einigkeit herrschte dahingehend, dass Open Access als Ziel anzustreben ist und gerade öffentlich geförderte Forschung auch kostenfrei öffentlich zugänglich sein muss. Wie schnell flächendeckend Open Access eingeführt werden kann, darüber wurde gestritten: Manche sehen 2020 als wichtige Zielmarkierung, andere brachten gewichtige Hindernisse ein, die diesem ambitionierten Ziel im Wege stehen könnten.  Einmal mehr machte diese Konferenz der Bildungsinternationalen klar, wie wertvoll der globale Austausch zu den Problemlagen und Lösungsansätzen der verschiedenen Mitgliedsgewerkschaften im Kampf um gute (Hochschul-)Bildung ist. Nicht nur um für den eigenen Kontext zu lernen, sondern auch um internationale Verbundenheit und Solidarität zu erfahren. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

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