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GEW-StudieDigitale Mindestausstattung aller Schulen kostet rund 21 Milliarden Euro

Die eingeplanten 5,5 Milliarden Euro des Digitalpaktes decken laut GEW-Studie nur knapp ein Viertel des Gesamtbedarfs aller Schulen. Allein für die Mindestausstattung der Berufsschulen seien eine Milliarde Euro pro Jahr erforderlich.

16.09.2019

Zwischen den in Aussicht gestellten 5,5 Milliarden Euro aus dem Digitalpakt von Bund, Ländern und Kommunen und der erforderlichen Summe für die Mindestausstattung aller allgemein- und berufsbildenden Schulen bis 2024 klafft laut einer Studie der GEW eine dramatische Lücke. Für die allgemeinbildenden Schulen werden demnach in den kommenden fünf Jahren 15,76 Milliarden Euro benötigt, für die berufsbildenden Schulen 5,265 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein Gesamtbedarf von 21,025 Milliarden Euro – und mit Blick auf die bisher eingeplanten Mittel eine Differenz von rund 15 Milliarden Euro. Die GEW fordert daher eine Verstetigung des Digitalpaktes. 

Der Leiter des Organisationsbereiches Berufliche Bildung und Weiterbildung beim GEW-Hauptvorstand, Ansgar Klinger, und der Referent für Bildungspolitik der GEW Hessen, Roman George, kalkulierten für die durch die Initiative Bildung. Weiter denken! unterstützte und am Montag in Berlin vorgestellte Studie erstmals den jährlichen Finanzbedarf für eine angemessene digitale Ausstattung der Berufsschulen. Zudem legten sie eine ländergenaue Aufteilung der Kosten auf alle Schulträger und die Länder selbst vor.

„Die Digital-Pakt-Mittel reichen rechnerisch gerade aus, um in den nächsten fünf Jahren die digitale Mindestausstattung der berufsbildenden Schulen zu finanzieren. Für die allgemeinbildenden Schulen bliebe dann kein Cent mehr übrig“, sagte Klinger. Allein an den Berufsschulen gebe es einen jährlichen Mehrbedarf von 1,05 Milliarden Euro. „Auch die Unternehmen sehen wir in der Verantwortung. Sie sollen sich für die Ausstattung der Auszubildenden mit digitalen Endgeräten jährlich mit 169 Millionen Euro beteiligen“, forderte George. 

„Der nicht hinlänglich sichergestellte IT-Support könnte sich als Achillesferse des Digitalpakts erweisen.“

Ein großer Anteil des Gesamtbedarfs fällt laut Studie indes nicht für Hard- und Software an, sondern für Personalkosten wie den IT-Support. Dabei handelt es sich um laufende Aufwendungen: Die IT-Infrastruktur muss regelmäßig gewartet und aktualisiert werden. „Der nicht hinlänglich sichergestellte IT-Support könnte sich als Achillesferse des Digitalpakts erweisen“, bilanzieren die Experten. Der Verwaltungsvereinbarung zum Digitalpakt zufolge sind unmittelbare Personal- und Sachkosten für Betrieb, Wartung und IT-Support nicht förderfähig.

Die GEW kalkuliert den IT-Support mit 180 Euro pro Schülerin oder Schüler im Jahr als den mit Abstand größten Kostenblock. Angesichts des angesetzten Bedarfs von einer Stelle pro 300 bis 400 Endgeräte muss für die berufsbildenden Schulen mit ihren knapp 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern zudem mit einem Personalbedarf von 6.200 bis 8.300 Vollzeitstellen für IT-Fachkräfte gerechnet werden. Diese Expertinnen und Experten gibt es auf dem Arbeitsmarkt derzeit allerdings nicht. 

Weitere Ergebnisse der Studie „Mehrbedarfe für eine adäquate digitale Ausstattung der berufsbildenden Schulen im Lichte des Digitalpakts“:

  • Eine adäquate digitale Ausstattung beruflicher Schulen kostet pro Schülerin oder Schüler bei teilzeitschulischer Ausbildung 387 Euro im Jahr, bei vollzeitschulischer 470 Euro.
  • Die jährlichen Kosten einer solchen Ausstattung variieren von Bundesland zu Bundesland. Für Nordrhein-Westfalen wird mit 238 Millionen Euro die höchste Summe angesetzt, für Bremen mit zehn Millionen Euro die niedrigste. Insgesamt ergibt sich ein Wert von etwas mehr als einer Milliarde Euro.
  • Differenziert nach Kostenträgern müssten kommunale Schulträger 696 Millionen Euro pro Jahr aufwenden, Unternehmen 169 Millionen Euro, Privatschulen 105 Millionen Euro und die Länder 83 Millionen Euro.    
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