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Hohe Corona-Infektionszahlen„Die Lehrkräfte zahlen die Rechnung”

Mit Blick auf die Beratungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zeigt sich die GEW verärgert. Zu lange habe man die Empfehlungen des Robert Koch-Institunts ignoriert, nun müssten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte die Rechnung dafür tragen.

11.12.2020

„Die GEW ist enttäuscht und verärgert, dass die Kultusministerinnen und -minister nicht den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Leopoldina gefolgt sind und rechtzeitig auf Wechselunterricht umgestellt haben”, sagte GEW-Vorsitzende noch vor dem Ende der KMK-Beratungen am Donnerstag gegenüber dem RedaktionsNetwerk Deutschland (RND). „Nun müssen Schulen geschlossen und offenbar auch die Weihnachtsferien verlängert werden. Mit anderen Worten: Jetzt zahlen die Lehrkräfte sowie die Schülerinnen und Schüler die Rechnung. Das Recht auf Bildung wird eingeschränkt. Das trifft ganz besonders die Kinder und Jugendlichen, die ohnehin schon benachteiligt sind”, sagte Tepe.

In der Beratung der Kultusministerinnen und -minister hielt die Mehrheit der KMK an der Linie fest, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Teilnehmerkreise. Ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht soll es in einzelnen Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen geben. Die letzte Entscheidung für weitere Maßnahmen zum Schulunterricht soll dem nach nicht bei den Bildungsministern liegen, sondern der Ministerpräsidentenkonferenz vorbehalten sein.

„Der Infektionsstand bei Lehrkräften ist alarmierend!” (Marlis Tepe)

Tepe forderte die Kultusministerien auf, für einen besseren Gesundheits- und Infektionsschutz zu sorgen und zu ermöglichen, dass die Abstands- und Lüftungsregeln auch in den Schulen eingehalten werden. „Der Infektionsstand bei Lehrkräften ist alarmierend”, sagte Tepe. So liege der Inzidenzwert in Sachsen mehr als dreimal so hoch wie in der Bevölkerung im Freistaat insgesamt. Bereits seit Monaten pocht die GEW darauf, bei einem Inzidenzwert von über 50 pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche die Klassen zu halbieren oder in den Wechselunterricht überzugehen. Vernünftige Vorschläge vom Tisch zu wischen in der Hoffnung, die Infektionszahlen würden schon irgendwie sinken, sei verantwortungslos und politisches Abenteurertum, sagte GEW-Chefin Tepe. Die GEW hat für einen wirksamen Gesundheitsschutz an Schulen ein 5-Punkte Programm vorgelegt:

 5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
1.Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
2.Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
3.Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
4.Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
5.Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Die Lehrkräfte müssten jetzt die Zeit bekommen, den Unterricht für verschiedene Szenarien vorzubereiten, damit die Schule im Januar weitergehen könne – vom Präsenz- bis zum Distanzunterricht, forderte Tepe weiter. „Auch die digitale Infrastruktur der Schulen muss verbessert und IT-Administratoren eingestellt werden. Die Kultusministerien müssen sich von ihrer Fixierung auf Prüfungen und Tests sowie das Durchpauken von Stoffplänen lösen”, sagte die GEW-Vorsitzende dem RND. „Für Abschlussklassen müssen die Anforderungen neu definiert werden. Der Druck, der auf den Schülerinnen und Schülern lastet, muss reduziert werden.”

Die KMK hatte nach den Sommerferien mit Blick auf die Erfahrungen der Schulschließungen im Frühjahr immer wieder betont, den Präsenzunterricht möglichst aufrechterhalten zu wollen. Diese Linie gerät nun zunehmend in die Kritik, auch die GEW hat immer wieder auf einen besseren Gesundheits- und Infektionsschutz gepocht und gefprdert, die Klasen zu teilen und in den teilweisen Distanzunterricht zu gehen. An diesem Donnerstag berieten die Landesminister in einer Videokonferenz auch über die Corona-Maßnahmen vor Ort. In Sachsen wurden wegen der hohen Infektionszahlen bereits für die kommende Woche wieder Schulschließungen wie im März angekündigt. Die Mehrheit der Ministerrunde vertrete weiter die Linie, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.