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GastbeitragDie Bildung öffnen

Die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, Neelie Kroes, und die Kommissarin für Bildung und Kultur, Androulla Vassiliou, sehen die Möglichkeiten digitaler Technologien zur Bildungsvermittlung als Unterstützung für den Unterricht.

05.10.2013

Die Bildung öffnen: Lehrkräfte für ihre Arbeit rüsten

Investitionen in die Bildung sind die bestmöglichen Investitionen in unsere Jugend.

Lehrkräfte können durch guten Unterricht Wunder bewirken und damit das Leben von Menschen und ganzen Gemeinschaften positiv beeinflussen. Doch in einer Welt, in der digitale Technologien zum Alltag der Kinder gehören, muss sich die Art und Weise ändern, wie die Schule das Lernen unterstützt. Lehrkräfte brauchen heute neue Instrumente, um ihren Unterricht attraktiv zu gestalten. Im 21. Jahrhundert benötigen sie digitale Kompetenzen und eine gute IT-Ausstattung als Handwerkszeug.

Manche Lehrkräfte meinen jedoch, dass sie nicht über die nötigen Kenntnisse für den Einsatz digitaler Technologie verfügen, oder sie empfinden diese sogar als Bedrohung für ihr Wissen und ihre Autorität. Eine solche Situation können wir nicht hinnehmen. Eine geeignete Ausbildung und eine angemessene Ausrüstung sind heute für alle Lehrkräfte unerlässlich.

Ungleichheiten bei der digitalen Vernetzung der Menschen führen auch zu Ungleichheiten in der Bildung. Indem wir die Bildung öffnen, können wir die Organisation unserer Bildungssysteme verbessern – insbesondere was Didaktik, Inhalte und Infrastrukturen angeht. Diese drei Elemente müssen von hoher Qualität sein, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Alle Kinder brauchen eine gute Bildung. Vermittelt wird diese Bildung vor allem durch die Schulen, und ohne engagierte, inspirierte und gut ausgebildete Lehrkräfte können die Schulen diese Aufgabe nicht erfüllen. Dies ist das Ausgangsszenario für unsere neue Initiative „Die Bildung öffnen“, die es sowohl den Lehrkräften als auch den Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, das Potenzial der digitalen Revolution in der Bildung voll auszuschöpfen.

Derzeit besuchen noch über 60 % der Neunjährigen in der EU Schulen, die nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind. Zudem geben 70 % der Lehrkräfte an, dass sie nicht die von ihnen gewünschte Ausbildung erhalten, um digitale Technologien sinnvoll im Unterricht und zu dessen Vorbereitung einzusetzen. In vielen Fällen sind die Lehrpläne jedoch nicht der geeignete Rahmen, um den Einsatz neuer Technologien für das Lernen voranzubringen.

Eine digitale Kluft in Europa können wir nicht hinnehmen. Um die drei genannten Elemente zu verbessern, müssen sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene mehr Mittel bereitgestellt werden. Insbesondere die Qualität der Didaktik ist in hohem Maße abhängig von der Qualität unserer Lehrkräfte, die unser volles Vertrauen genießen. Doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Lehrkräfte stärker zu unterstützen, damit die Einbindung neuer Technologien in den Lernprozess für sie zur Selbstverständlichkeit wird.

Manche fragen sich, ob wir uns das in Zeiten knapper Kassen überhaupt leisten können. Doch die Frage lautet eher: Können wir es uns leisten, nichts zu unternehmen?

Auch die Europäische Union kann hier mit ganz einfachen Mitteln einen wirksamen Beitrag leisten. Ein Beispiel ist das neue Web-Portal „Open Education Europa“, das diesen Monat an den Start geht. Dort können frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien bereitgestellt werden, die keinen urheberrechtlichen Beschränkungen unterliegen und das digitale Lehren und Lernen verbessern. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte können dort individuell oder gemeinsam stöbern.

Und wie sieht es mit Fördermitteln aus? Die Europäische Kommission wird Maßnahmen, die den Zielen der Initiative „Die Bildung öffnen“ entsprechen, aus Mitteln der neuen EU-Programme Erasmus+ (für allgemeine und berufliche Bildung und Jugend) und Horizont 2020 (für Forschung und Innovation) sowie aus den EU-Strukturfonds finanzieren. Allein im Rahmen von Erasmus+ werden zweistellige Millionenbeträge für Kooperationsprojekte zwischen Schulen und Universitäten bereitgestellt werden, um die Vorteile der digitalen Revolution auszuschöpfen. Zudem werden alle durch Erasmus+ finanzierten Lehrmittel dank offener Lizenzen für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Strukturfonds und Horizont 2020 bieten sogar noch umfassendere Finanzierungsmöglichkeiten, sofern die Mitgliedstaaten und regionale Stellen die IT-Infrastruktur und die Lehrkräfteausbildung zu Prioritäten erklären.

Wir wollen erreichen, dass in Europa Menschen aller Altersstufen neue Lernmethoden nutzen können, um ihre Kreativität zu steigern, Innovations- und Unternehmergeist zu entwickeln und ihre Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern.

Das Öffnen der Bildung wird den Lehrkräften dabei helfen, das Steuer zu übernehmen, statt nur Beifahrer zu sein. Zugleich wird der Zugang zur Bildung erleichtert, so dass alle Bürgerinnen und Bürger – ob Schüler oder Erwachsene – an Bord des digitalen Schnellzugs geholt werden.

Anlässlich des Welttags der Lehrerin und des Lehrers am 5. Oktober möchten wir diese Botschaft an alle Lehrkräfte richten. Der richtige Zeitpunkt, um wirklich etwas zu verändern, ist jetzt!

 

Die Autorinnen:
Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, zuständig für die Digitale Agenda
Androulla Vassiliou, Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend

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