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Der Skandal an den Füßen

In Osteuropa Schuhe zu produzieren, ist billig. Noch billiger als in China. Und "Made in Europe" verkauft sich gut. Dass die ArbeiterInnen in den Schuhfabriken Rumäniens oder Albaniens Hungerlöhne bekommen, weiß kaum jemand.

19.09.2016

„Made in Europe“ steht für viele Verbraucher für gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Dass dem nicht immer so ist, zeigt eine aktuelle Schuhstudie der Kampagne für Saubere Kleidung. Die AutorInnen stießen bei ihren Recherchen in den osteuropäischen Werkstätten bekannter Schuhmarken auf skandalöse Arbeitsbedingungen der Näherinnen. Und der Kinder.

In einer Untersuchung mit dem Titel „Labour on a Shoestring“ sowie über die Firmenbefragung „Trampling workers rights underfoot“ hat die Kampagne Arbeitsbedingungen in den Schuhfabriken in sechs osteuropäischen Ländern unter die Lupe genommen: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Polen, Rumänien und Slowakei. In diesen Ländern arbeiten 40 Prozent der europaweit 300.000 Arbeitskräfte in der Schuhproduktion. Von dort kommt auch jeder fünfte Schuh, der bei uns im Laden steht.

„Made in Europa“ verkauft sich gut – und zu einem höheren Preis. Hinzu kommt, dass China als bisher größtes Schuhproduktionsland vielen europäischen Markenfirmen inzwischen zu teuer ist. „Dank günstiger Zoll- und Handelssysteme in Europa sowie geografischer Nähe lassen europäische Schuhmarken vor allem kleinere Auftragsgrößen und hochpreisige Schuhe in Osteuropa herstellen“, sagt Menschenrechtsaktivistin Bettina Musiolek. Albanien sei „das Bangladesch Europas“.

In China liegt der Mindestlohn für Arbeiter in Schuhfabriken heute bei umgerechnet 213 Euro pro Monat, laut Studie beträgt er in Albanien 140, in Rumänien 156, in Mazedonien 145 und in Polen 318 Euro. Auf diese staatlichen Mindestlöhne verweist auch die Schuhbranche. Der Vorwurf, man zahle Hungerlöhne, sei nicht gerechtfertigt – „die Löhne in den genannten Ländern entsprechen dem landesüblichen Niveau“, betont der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie.

Der gesamte Artikel von Martina Hahn ist in der Septemberausgabe der "E&W" zu lesen.

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