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Covid-19Regelbetrieb im neuen Schuljahr gründlich vorbereiten!

Der Grundschulverband fordert mit Blick auf die Öffnungen der Schulen mehr Transparenz in der Bewertung von Risiken, klarere Regelungen für den Infektionsfall und mehr Unterstützung der Schulen. Ähnliches verlangt auch die GEW.

29.06.2020

Der Grundschulverband sieht die Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK), die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb einsteigen zu lassen, skeptisch. „Die Unsicherheiten im Land sind groß, es braucht übergreifende Abstimmungen über Öffnungsstrategien, Hygienemaßnahmen, den Gesundheitsschutz für Kinder und Personal, auch Notfallpläne, die Abläufe regeln. Der Verzicht auf Abstandseinhaltung und auf Mund-und Nasenschutz ist zu wenig“, sagte die Vorsitzende des Grundschulverbands, Maresi Lassek, am Montag in Frankfurt am Main.

Schulen brauchen mehr Zeit für die Planung

Die Gefahren für die Erwachsenen in den Schulen seien nicht beseitigt, ebenso sei ungeklärt, welchen Schutz Lehrkräfte und andere Erwachsene an Schulen benötigten. Nach Einschätzung von Fachleuten sind Erwachsene deutlich stärker gefährdet als Kinder. Der Verband fordert in einer Stellungnahme mehr Transparenz in der Bewertung von Risiken, klarere Regelungen für den Infektionsfall und mehr Unterstützung der Schulen. Schulleitungen benötigten für eine Planung, die unterschiedliche Szenarien abbilde, ausreichend Zeit. 

In seiner Stellungnahme nennt der Grundschulverband 20 Punkte, die von der Politik zu klären seien. Dazu gehören folgende: 

  • Politik muss klarstellen, dass es im neuen Schuljahr keinen Regelbetrieb wie vor der Pandemie geben wird, sondern einen der Pandemie angepassten Schulbetrieb, der je nach Lage kurzfristig umorganisiert werden muss. Eltern und Schulen müssen sich weiterhin auf Unterrichtseinschränkungen einstellen, weil bis zu 20 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer zur Risikogruppe zählen und für den Präsenzunterricht mit Kindern ausfallen könnten. 
  • Politik wäre gut beraten, grundschulgerechte digitale Lernplattformen und Kommunikationssysteme zu entwickeln, die es erlauben, Kinder auch in Krisensituationen zu begleiten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kinder mit diesen Systemen auch mit anderen Kindern der Klasse in Kontakt bleiben können.
  • Politik muss sich um die Einbindung von zusätzlichem Personal kümmern, etwa Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit einer Fortbildung zum Einsatz im Präsenzunterricht und im Unterricht unter Pandemiebedingungen.

GEW fordert Runde Tische vor Ort

Auch die GEW mahnte die KMK und die Länder bereits, die Zeit bis nach den Sommerferien zu nutzen, um die Schulen auf eine schrittweise Wiederöffnung vorzubereiten und sie zu unterstützen. „Wir brauchen dringend – auch vor Ort – Runde Tische mit Vertretungen der Lehrkräfte, Eltern und Schüler sowie aus Medizin und Bildungswissenschaft, um bestmögliche Lösungen zu entwickeln und die Interessen aller an Schule Beteiligten weitgehend zu berücksichtigen“, sagte die Vorsitzende Marlis Tepe.

„Auf das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen zwei Menschen in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg.“ (MarlisTepe)

„Das Abstandsgebot und wirksame Hygienemaßnahmen sind weiterhin das A und O an den Schulen, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen. Hier braucht jede Schule mit Blick auf die Gebäude und die sanitären Anlagen ein eigenes Konzept. Auf das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen zwei Menschen in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg. Solange die Abstandsregeln – aus guten Gründen – in der Gesellschaft eingehalten werden müssen, muss dies auch in der Schule gelten“, betonte Tepe. 

Die Schulen müssten jetzt tragfähige pädagogische Konzepte für einen Mix aus Präsenz- und Fernunterricht entwickeln. Diesen folge die Organisation des Schulbetriebs. Dabei müssten die Schulen die personellen Ressourcen und die räumlichen Möglichkeiten berücksichtigen.

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