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CoronapandemieWarum das deutsche Schulsystem in der Krise versagt

Ein Beitrag von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF, analysiert, was beim Thema digitale Bildung in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten versäumt wurde. Auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe kommt zu Wort.

08.04.2021

Unter dem Titel „Warum das deutsche Schulsystem in der Krise versagt“ zeichnet das funk-Format „Simplicissimus“ nach, was sich mit Beginn des ersten durch Corona bedingten Lockdowns im März 2020 an den Schulen hierzulande abspielte. Der Autor geht jahrelangen Versäumnissen beim Thema digitale Bildung nach, schaut sich im Vergleich dazu die Entwicklungen in anderen europäischen Ländern an und stellt die Probleme bei der Umsetzung des Digitalpaktes Schule heraus.   

Ungleichheiten verschärfen sich

Neben viel Kritik werden aber auch ein besseres Gelingen des digitalen Fernunterrichts während des zweiten Lockdowns ab Dezember gezeigt und das Engagement der Lehrkräfte gelobt. Ein Fokus liegt zudem auf dem Aspekt, dass und wie die Coronapandemie Chancenungleichheiten zwischen Kindern mit verschiedenen sozialen Hintergründen weiter verschärft. Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund sind demnach deutlich benachteiligt. 

Auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe kommt in dem Beitrag zu Wort und kritisiert unter anderem die zu niedrige finanzielle Ausstattung des Digitalpaktes Schule. Dieser wurde zwar inzwischen auf rund sieben Milliarden Euro aufgestockt, nach Berechnungen der Gewerkschaft sind aber mindestens 20 Milliarden Euro erforderlich. 

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.