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CoronapandemiePädagoginnen und Pädagogen protestieren per Videoleinwand

Vor dem Kieler Landtag haben Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte mit Selfies auf einer großen Videoleinwand gegen die ihrer Ansicht nach vorschnelle Öffnung von Kitas und Grundschulen protestiert.

03.03.2021

Coronabedingt haben Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte vor dem Landeshaus Kiel in Schleswig-Holstein virtuell gegen die Wiederöffnung von Kitas und Grundschulen protestiert. Dazu bauten sie eine Videowand vor dem Landtag auf, auf der Selfies und Statements von verärgerten und besorgten Pädagoginnen und Pädagogen gezeigt wurden.

„Spielen Sie nicht weiterhin mit der Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen!“ (Katja Coordes)

Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes sagte an die Adresse von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gerichtet: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Günther, ändern Sie den Kurs Ihrer Landesregierung! In Kitas, Grundschulen und Förderzentren funktioniert kein Homeoffice. Da lassen sich keine ausreichenden Abstände einhalten. Spielen Sie nicht weiterhin mit der Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen. Setzen Sie auf Vorsicht statt auf Risiko! Lassen Sie Kitas und Grundschulen erst einmal in halber Gruppenstärke starten!“

Für die Kitas verlangt die GEW, die individuellen Gefährdungsbeurteilungen nach Arbeitsschutzgesetz umzusetzen. Jede Kita braucht passgenaue und wirksame Hygienepläne. „Die Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für Kitas zum Infektionsschutz sind zu beachten und umzusetzen. Weiter müssten alle Kitaträger Betriebsmediziner einsetzen, diese sollten die Risikogruppen bei den Beschäftigten beraten und im Einzelfall von der Arbeit in der Kita freistellen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe. Sie regte zudem an, freiwillige, kostenfreie Coronatests sowie eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten anzubieten.

  • Freiwillige, kostenfreie Coronatests sowie eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten
  • Passgenaue und wirksame Hygienepläne für jede Kita
  • Umsetzung der Empfehlungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) an Kitas
  • Risikogruppen von Betriebsmedizinern beraten lassen und im Einzelfall von der Arbeit an der Kita freistellen

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.

Wiedereinstieg Schritt für Schritt

Coordes verwies darauf, dass es in Kitas und Schulen nach wie vor an geeigneten Schutzmaßnahmen fehle. Deshalb sei es „völlig inakzeptabel“, dass die Landesregierung trotz Inzidenzwerten um die 50 und trotz der sich immer stärker verbreitenden britischen Mutante die Beschäftigten in den meisten Kreisen in den vollen Regelbetrieb geschickt habe.

„Eine schrittweise Öffnung von Kitas und Schulen ist für die GEW eine Selbstverständlichkeit. Als Pädagoginnen und Pädagogen wissen wir nur zu gut, wie elementar wichtig Kitas und Schulen für die Kinder sind“, hob die Gewerkschafterin hervor. „Aber das geht nicht mit vollen Klassen und Gruppen.“

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.