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Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

Die strukturellen Defizite der Karrierewege im deutschen Wissenschaftssystem betreffen beide Geschlechter, werden aber von Männern und Frauen unterschiedlich verarbeitet und schlagen sich unterschiedlich in den Karriereverläufen nieder.

19.10.2016

Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages führt zum Thema „Chancengerechtigkeit im Wissenschaftssystem“ heute ein öffentliches Fachgespräch. Neben dem GWK-Bericht wird ein Antrag der Fraktion Die Linke „Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft durchsetzen“ (Bundestags-Drucksache 18/9667) sowie die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Bilanz und Ausblick zur Chancengleichheit im Wissenschaftssystem“ (Bundestags-Drucksache 18/7981) beraten. 

Um den Anteil der Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses zu erhöhen, schlägt die GEW in ihrem Templiner Manifest ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor. „Die Qualität der Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss stärker danach beurteilt werden, ob diese erfolgreich den Gleichstellungsauftrag erfüllen. Bei der Besetzung von Professuren und anderen Leitungsfunktionen in Hochschule und Forschung müssen verbindliche und mit Sanktionen verknüpfte Quotierungen greifen. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten müssen wirksame Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte erhalten,“ sagte GEW-Hochschulexperte Keller. Darüber hinaus fordert die GEW eine familiengerechte Hochschule, die allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – Frauen und Männern, mit und ohne Kindern – die Möglichkeit gibt, im Gleichgewicht zu forschen, zu lehren und zu leben.

Statt auf der Karriereleiter aufzusteigen, steigen überproportional viele qualifizierte Wissenschaftlerinnen aus der Wissenschaft aus – das zeigt erneut der jüngste Bericht der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zur „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung“, den zum 20. Mal die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern vorgelegt hat. Stellen Frauen noch mit 52,6 Prozent die Mehrheit der Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen und beträgt ihr Anteil bei den Promotionen inzwischen 45,5 Prozent, sind immer noch erst 22 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt, bei den Professuren mit der höchsten Besoldungsstufe C4 bzw. W3 sind es sogar nur 17,9 Prozent. „Der Fortschritt ist eine Schnecke. Wenn sich die Gleichstellungpolitik in den Tempo weiterentwickelt, werden wir frühestens im Jahr 2100 ebenso viele Professorinnen und Professoren an den Hochschulen haben“, kritisierte aus diesem Anlass Andreas Keller, Vizevorsitzender und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung der GEW.

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