GEW - Die Bildungsgewerkschaft
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Burkina Faso: Proteste gegen chaotische Bildungssituation

Aus Anlass des WeltlehrerInnentages am 5. Oktober hatten dreizehn Bildungsgewerkschaften, unter ihnen die GEW- Partnergewerkschaft F-SYNTER, die burkinischen Lehrkräfte am 8.10.2014 zu einem Protestmarsch in die Hauptstadt Ouagadougou aufgerufen.

13.10.2014 - Sabine Tölke-Rückert

Fotos: F-SYNTER

Viele Lehrerinnen und Lehrer folgten dem Ruf der Gewerkschaften und marschierten zum Platz der Vereinten Nationen, wo sie dem Bildungsminister für das höhere Schulwesen ihre schriftliche Botschaft zur Lage der Bildung überreichten. Im ganzen Land wurden in den folgenden drei Tagen Sit-ins und Versammlungen durchgeführt und die katastrophale Lage zu Beginn des Schuljahres 2014/2015 diskutiert und kritisiert.

Worum geht es?

Die Bildungsgewerkschaften vertreten den Standpunkt, dass die bildungspolitischen Reformen der Regierung in den letzten Jahren die ungeeignetste Antwort auf die strukturelle Krise des Bildungssystems sind. Diese Reformen basierten nämlich auf der Privatisierung des Bildungssystems und der Zerschlagung einer qualitativ guten Bildung und Ausbildung.

Die Gewerkschaften machen die Regierung verantwortlich für die zu erwartende weitere Verschlechterung der Lage an den Schulen und Universitäten für das Schuljahr 2014/15. Die Regierung ignoriert nämlich seit Jahren die Vorschläge und Forderungen der Bildungsgewerkschaften, und selbst die im Rahmen des landesweiten Streiks der Lehrerschaft am 4. Oktober 2013 gestellten 11 bildungspolitischen Forderungen sind bis jetzt in keiner Weise beachtet oder gar erfüllt worden.

Qualität der Bildung wird schlechter

Durch die auch von IWF und Weltbank geforderte Vorantreibung der Privatisierung des Bildungssystems werden immer weniger Gelder in die öffentliche Bildung investiert. Statt den von der UNESCO geforderten zwanzig Prozent wurden im Jahr 2013 nur 13 Prozent des Staatshaushalts für öffentliche Bildung verwendet. Die Folge ist eine voranschreitende Qualitätsverschlechterung im Bildungsbereich: Es fehlen Schulgebäude samt Schulbänken und vor allem gut ausgebildete Lehrer/innen.

Im letzten Schuljahr 2013/2014 gab es z.B. 4.341 „Schulen“ im Freien unterm Strohdach, wo die Schüler/innen am Boden sitzend unterrichtet wurden. Jetzt, im Schuljahr 2014/2015 stehen 1.600 Kinder, die für das Collège zugelassen wurden, ohne Klassenzimmer da. Der Schulerfolg bei Mittlerer Reife und Abitur liegt jeweils um die dreißig Prozent, d.h. siebzig Prozent der Prüflinge fallen durch!

 

Privatisierung schreitet voran

Privatinstitutionen auf allen Bildungsebenen schießen wie Pilze aus dem Boden. Im höheren Bildungsbereich beträgt der Anteil an Privatgymnasien mittlerweile über 65 Prozent! Auf die Eltern kommen enorme Kosten für Schulgeld zu, wenn sie einen Schulabschluss für ihre Kinder anstreben. Selbst in der Grundschule, für die die Regierung Schulgeldfreiheit versprochen hatte, werden die Eltern zur Kasse gebeten für Kreide, Reinigungsutensilien und Vertretungsunterricht.

Die Lage an den Universitäten des Landes stellt sich ähnlich dar. Es gibt kaum noch Stipendien oder anderweitige Unterstützung für die Studierenden. In einem Land, wo vierzig Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, mussten 70.117 Studenten im Jahr 2013 ihr Studium irgendwie selbst finanzieren – und das unter katastrophalen Bedingungen an den Unis, was Vorlesungssäle, Anzahl der Dozenten und Studentenheime angeht. Es verwundert nicht, dass 2013 die Durchfallquote in der naturwissenschaftlichen Fakultät bei 98 Prozent lag!

Zivilgesellschaftliche Gruppen gemeinsam für gute Bildung

Mittlerweile weitet sich der Ruf nach einer qualitativ guten öffentlichen Schule für ALLE aus: auch die Koalition gegen die Verteuerung des Lebens ( CCVC), ein Zusammenschluss vieler ziviler Gruppierungen, hat das Thema Bildung zu ihrem diesjährigen Hauptthema gemacht. Die CCVC hat vor 3 Tagen in einer Pressekonferenz angekündigt, breite Teile der Bevölkerung zu einer gemeinsamen, machtvollen Demonstration am 29.10. 2014 zu mobilisieren, um eine demokratische Bildungspolitik durchzusetzen.

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