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Bildungsgewerkschaft in Burkina FasoFrauen von F-SYNTER lassen sich nicht einschüchtern

Mehr als 100 Frauen der Bildungsgewerkschaft F-SYNTER berieten auf dem Frauenkongress Anfang des Jahres über Strategien im Kampf gegen COVID-19 und die aktuelle Sicherheitslage. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe sendete ein Grußwort.

04.03.2021 - Sabine Tölke-Rückert

Aus allen Teilen von Burkina Faso nahmen Mitglieder der Bildungsgewerkschaft F-SYNTER am Frauenkongress Ende Januar im Gewerkschaftshaus von Ouagadougou teil. Wichtige Themen waren die Auswirkungen der Coronapandemie auf den Bildungsbereich, die gefährliche Sicherheitslage in dem Land sowie die Unterdrückung der Gewerkschaftsrechte durch die Regierung. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe betonte in ihrem Grußwort: „Die Pandemie darf nicht dazu genutzt werden, Gewerkschaftsrechte einzuschränken!“

Sanitäre Krise in den Schulen

Trotz der Coronapandemie findet in den Schulen des Landes weiterhin Präsenzunterricht statt. Es fehlen geeignete Maßnahmen, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu schützen. Die Regierung verlangt zwar das Tragen von Masken im Unterricht, sie stellt jedoch weder Masken noch Seife zum Händewaschen zur Verfügung.

Angesichts dieser Bedingungen nahmen es die Frauen in dem Kongress selbst in die Hand, Desinfektionsmittel herzustellen. Sie wollen auch ihre Kolleginnen und Kollegen sensibilisieren, die Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 anzuwenden, um ihre Gesundheit und die ihrer Schülerschaft zu schützen.

Die Aufklärung, die F-SYNTER leistet, ist wichtig, da nach der Wahl im November 2020 die Zahl der an Covid-19 Infizierten in Burkina Faso deutlich angestiegen ist. Während des Wahlkampfs ignorierten Politikerinnen und Politiker oft die Schutz- und Hygienemaßnahmen, was den Eindruck in der Bevölkerung verstärkt hat, dass das Virus nicht gefährlich sei.

Kampf gegen Corona: Die Frauen von F-SYNTER stellen selbst Desinfektionsmittel her. (Foto: Souleymane Badiel)

Gefährliche Sicherheitslage

Große Sorge bereiteten dem Frauenkongress ebenfalls die Überfälle von Jihadisten in der Sahelzone auf Dörfer und Schulen. Diese zwingen Lehrkräfte, nach dem Koran zu unterrichten. Mehr als zehntausend Lehrkräfte haben daraufhin bereits die Schulen verlassen, elf Lehrkräfte wurden brutal ermordet.

Auch die Zahl der Inlandsflüchtlinge nimmt zu, darunter viele Frauen und Kinder. Die geflüchteten Kinder haben oft keinen oder nur eingeschränkten Zugang zum Schulunterricht. Aktuell übt die Regierung Druck auf geflüchtete Lehrkräfte aus, damit sie in ihre alten Schulen im Sahel zurückkehren, ohne dafür jedoch die nötigen Bedingungen zu schaffen.

Der F-SYNTER Frauenkongress hat die Regierung aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, den Geflüchteten die Rückkehr in ihre Dörfer zu ermöglichen und die Lehrkräfte vor Terrorangriffen an ihren Schulen zu schützen.

GEW zeigt sich solidarisch

F-SYNTER wurde wiederholt bei der Ausübung ihrer Gewerkschaftsrechte durch die Regierung behindert. Mitglieder von F-SYNTER wurden willkürlich versetzt, erhielten kein Gehalt oder wurden von der bescheiden vergüteten Teilnahme an Prüfungen ausgeschlossen. Der Frauenkongress sendete ein klares Signal, dass sich die Frauen davon nicht einschüchtern lassen und ihr Engagement fortsetzen werden.

„Die Pandemie darf nicht dazu genutzt werden, Gewerkschaftsrechte einzuschränken!“ (Marlis Tepe)

In ihrem Grußwort, das auf dem Frauenkongress verlesen wurde, betonte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe die gute Zusammenarbeit mit F-SYNTER. „Die Pandemie darf nicht dazu genutzt werden, Gewerkschaftsrechte einzuschränken! Hier stehen wir weiter fest und solidarisch an der Seite von F-SYNTER. Es gilt, die Beteiligung von Frauen in Gewerkschaften weiter zu stärken. Dazu leistet Ihr mit eurem Engagement und dem Frauenkongress einen sehr wichtigen Beitrag“, heißt es in dem Schreiben an F-SYNTER.