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Brexit: Schwere Zeiten für Europäische Schulen

28.08.2017 - Manfred Brinkmann

Englischlehrkräfte sind gefragt an Schulen. Besonders, wenn sie aus Großbritannien kommen. Doch durch den Brexit stellen sich die Europäischen Schulen darauf ein, dass Großbritannien zukünftig keine Lehrkräfte mehr für den Unterricht entsenden wird.

Immer mehr Ortslehrkräfte an Europäischen Schulen
Derzeit arbeiten rund 1.400 entsandte Lehrkräfte aus EU-Staaten an Europäischen Schulen in Belgien, Luxemburg, Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien, darunter etwa hundert aus Großbritannien. Zum Vergleich: Deutsche Bundesländer hatten im Schuljahr 2016/2017 mehr als zweihundert Lehrerinnen und Lehrer für den Unterricht an Europäischen Schulen freigestellt. Englisch ist gefragt in den Schulen, deren 27.000 Schülerinnen und Schüler mehrheitlich Kinder von Beschäftigten in EU-Institutionen wie der Europäischen Zentralbank in Frankfurt oder dem Europäischen Patentamt in München sind.

Der Verlust von entsandten Lehrkräften mit englischer Herkunftssprache wird nicht leicht zu ersetzen sein. Deren Zahl ist bereits in den letzten Jahren ständig gesunken und hat sich seit 2013 fast halbiert. Um den Unterricht trotz fehlender Lehrkräfte aus dem britischen Schuldienst aufrechtzuerhalten, müssten die Europäischen Schulen weitere Ortslehrkräfte einstellen. Unklar ist, wie dies finanziert werden soll, denn der Brexit wird zu Einschnitten in den EU-Haushalt führen, aus dem die Europäischen Schulen bisher mit 200 Millionen Euro jährlich bezuschusst werden. Schon jetzt sind an Europäischen Schulen rund 900 Ortslehrkräfte tätig, darunter mehr als 200 mit britischer Staatsbürgerschaft. Ortslehrkräfte werden direkt von den Europäischen Schulen angestellt. Ursprünglich war ihr Einsatz nur als Ausnahme für den Fall vorgesehen, dass nicht genügend entsandte Lehrkräfte aus EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen. Doch die Ausnahme ist zur Regel geworden.

GEW fordert rechtliche Gleichstellung aller Lehrkräfte
Mit nachlassender Bereitschaft der EU-Staaten, Lehrkräfte aus dem heimischen Schuldienst für die Tätigkeit an Europäischen Schulen freizustellen, ist die Zahl der Ortslehrkräfte in jüngster Zeit stark gestiegen, allein seit 2013 um fast 40 Prozent. Es ist absehbar, das Ortslehrkräfte in wenigen Jahren gegenüber entsandten Lehrkräften in der Mehrheit sein werden. Im Unterschied zu entsandten Lehrkräften arbeiten Ortslehrkräfte unter prekären Bedingungen. Arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen des Gastlandes haben für sie keine Gültigkeit. Sie erhalten jahrelang nur befristete Verträge und können nie sicher sein, ob diese im kommenden Schuljahr verlängert werden und wie viel Stunden sie dann unterrichten dürfen.

Diese Unsicherheit schafft Unzufriedenheit und ist immer wieder Anlass zu Konflikten. Die GEW kämpft seit Jahren für gleichwertige Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze sowohl für Ortslehrkräfte wie auch für entsandte Lehrkräfte. Sie begrüßt daher aktuelle Pläne des Generalsekretariats der Europäischen Schulen, die zwei bisher getrennten Personalvertretungen für Ortslehrkräfte und entsandte Lehrkräfte bis 2018 zu vereinheitlichen und zusammenzuführen, als Schritt in die richtige Richtung. Grundsätzlich fordert die GEW aber die rechtliche Gleichstellung beider Lehrkräftegruppen an Europäischen Schulen.

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