GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Sie sind hier:

FachkräftemangelBis zu 240.000 Schülerinnen und Schüler mehr an Berufsschulen

An Berufsschulen fehlen in Zukunft vermutlich noch mehr Lehrkräfte als bisher angenommen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigt dort laut einer Studie der GEW bis zum Jahr 2030 noch stärker als erwartet an – wenn auch regional unterschiedlich.

06.11.2018

Im Jahr 2030 werden einer Studie der GEW zufolge etwa 240.000 mehr Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen lernen als von der Kultusministerkonferenz (KMK) berechnet. „Der Mangel an Berufsschullehrkräften wird noch größer werden“, sagte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW am Dienstag in Frankfurt am Main bei der Vorstellung der „Prognose der Schüler*innenzahl und des Lehrkräftebedarfs an berufsbildenden Schulen in den Ländern bis 2030“. Die Studie der Bildungsforscher Dieter Dohmen und Maren Thomsen weist diese Zahlen erstmals für jedes Bundesland aus. 

In den alten Bundesländern wird die für die berufsbildenden Schulen relevante Altersgruppe in den kommenden Jahren voraussichtlich unterschiedlich stark abnehmen und zum Ende des Prognosezeitraums etwas ansteigen. In den neuen Bundesländern und Stadtstaaten wird die Zahl der 16- bis unter 20-Jährigen erst leicht und zum Ende etwas stärker wachsen. In Hessen und Bremen werden die Zahlen weitgehend konstant bleiben. 

Die rückläufige Entwicklung in den westdeutschen Flächenländern führt daher dort zu einem sinkenden Lehrkräftebedarf um 3.160 Vollzeit-Einheiten, während in den neuen Bundesländern und den Stadtstaaten der Bedarf voraussichtlich um 4.620 Vollzeitlehrkräfte-Einheiten steigen wird. Für ganz Deutschland ergibt sich daraus ein Mehrbedarf von 1.460 und ein Gesamtbedarf von 123.080 Vollzeitlehrkräfte-Einheiten.

„Eine länderübergreifende Zusammenarbeit in der Ausbildung von Lehrkräften der beruflichen Schulen ist notwendiger denn je.“ (Ansgar Klinger)

„Jetzt müssen die Länder handeln und wirksame Maßnahmen ergreifen“, forderte Klinger. Sie müssten für mehrere Jahre Quer- und Seiteneinsteigende einstellen und diese berufsbegleitend nach bundesweiten Mindeststandards nachqualifizieren. Gleichzeitig müssten Lehrkräfte, die Quer- und Seiteneinsteigende ausbildeten, entlastet werden. An den Hochschulen müssten die Ausbildungskapazitäten hochgefahren werden. „Eine länderübergreifende Zusammenarbeit in der Ausbildung von Lehrkräften der beruflichen Schulen ist notwendiger denn je.“

Die Daten der Studie beruhen auf einer eigenen Bevölkerungs- und Schülervorausberechnung sowie einer ausgefeilten Methodik hinsichtlich des Übergangsverhaltens in die Berufsbildung mit einer genauen Aufschlüsselung für Bildungsgänge der Teilzeit, Vollzeit und des Übergangssystems.

Einer aktuellen Bertelsmann-Studie zufolge benötigen Berufsschulen bis 2020 durchschnittlich 4.000 neue Lehrkräfte, bis 2030 entsteht ein jährlicher Bedarf von 4.800 Lehrkräften, danach gib es einen jährlichen Einstellungsbedarf von mehr als 6.000 Lehrkräften.  

 

Zurück