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Bildung und Weiterbildung müssen mit Arbeit 4.0 mithalten

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung soll die Weiterbildung laut Arbeitsstaatssekretär Thorben Albrecht "größeres Gewicht bekommen". Der Soziologe Gerhard Bosch warnt: Aus eigener Kraft schafften viele den Sprung in die neuen Aufgaben nicht.

07.04.2016

Im Interview mit der "E&W" bemühte sich Albrecht (SPD), Ängste vor dem sogenannten Arbeiten 4.0 abzubauen: Die Beteiligten hätten Einfluss, neue Techniken zu gestalten und zu lenken - "niemand wird überrollt". Zudem könnten körperlich belastende Tätigkeiten an technische Assistenzsysteme abgeben werden. "Ich hoffe auch, dass für Menschen mit Behinderungen der Zugang zum Arbeitsmarkt leichter wird", betonte er.

Albrecht räumte aber auch ein: "Wir müssen die Qualifikationen der Beschäftigten weiterentwickeln. Aufgaben, die mit Arbeit 4.0 entstehen, sind anspruchsvoller. Da müssen Bildung und Weiterbildung mithalten." Mit Blick auf mögliche flexiblere Arbeitszeitmodelle müssten Kompromisse zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten gefunden werden. Auch stelle sich die Frage, wie Solo-Selbstständige besser in die sozialen Sicherungssysteme einzubeziehen seien.

Die Form der Wissensvermittlung ändere sich, sagte Albrecht weiter. "Das Bildungspersonal verliert an Dominanz bei der Vermittlung von Wissen." Es werde künftig verstärkt technische Möglichkeiten einsetzen müssen. "Aber die Vermittlung sozialer Kompetenzen oder die Einordnung von Wissen möchte ich dem Computer nicht überlassen", betonte der Staatssekretär.

Mehr Berufsschullehrkräfte für den MINT-Bereich nötig

Der Arbeitssoziologe Gerhard Bosch warnte im "E&W"-Interview: "Wenn wir nicht proaktiv auf die neuen Entwicklungen reagieren, dann wächst die Ungleichheit. Große wirtschaftliche Umstrukturierungen produzieren Verlierer. Aus eigener Kraft schaffen viele den Sprung in die neuen und anderen Aufgaben nicht. Deshalb braucht der Strukturwandel eine aktive Begleitung durch die Arbeitsmarktpolitik."

Bildung gewinnt Bosch zufolge in der digitalisierten Welt zunehmend an Bedeutung. "Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts, aber Menschen müssen sie interpretieren. Dazu ist Bildung notwendig. Selbst bei einfachen Tätigkeiten müssen die Beschäftigten mit abstrakten Symbolen umgehen." Mit Schulabbrechern "kann diese Arbeitswelt nichts anfangen". Der Soziologe kritisierte zugleich eine "dramatische Unterfinanzierung" von Schulen und äußerte Zweifel, dass genügend Berufsschullehrkräfte für den MINT-Bereich ausgebildet würden.

Die kompletten Interviews von Klaus Heimann sind in der Aprilausgabe der "E&W" nachzulesen.

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