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Bildung auf einen Blick 2006

In ihrer heute veröffentlichten Studie „Bildung auf einen Blick 2006“ hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der deutschen Bildungspolitik erneut ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

12.09.2006

Zwar bescheinigt der OECD-Bericht Deutschland leichte Verbesserungen, da aber andere Industrienationen ein deutlich höheres Reformtempo bei der Bildung an den Tag legten, falle Deutschland im internationalen Vergleich in vielen Bereichen weiter zurück.

So konnte der Anteil von Hoch- und Fachhochschulabsolventen eines Jahrgangs zwischen 2000 und 2004 in der Bundesrepublik von 19,3 auf 20,6 Prozent gesteigert werden. Die meisten Länder machten aber deutlich größere Fortschritte, so dass der OECD-Durchschnittswert im gleichen Zeitraum von 27,5 auf 34,8 Prozent eines Jahrgangs anstieg.

„Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können“, sagte Andreas Schleicher, verantwortlicher Autor des OECD-Berichts.

Andere Länder holen auch bei Basisqualifikationen auf

Bei den von der OECD als Basisqualifikation für den Erfolg am Arbeitsmarkt bewerteten Abschlüssen wie Abitur oder abgeschlossene Lehre weist Deutschland zwar nach wie vor gute Ergebnisse auf – 84 Prozent der 25- bis 34-Jährigen hatten 2004 einen solchen Abschluss – allerdings sind diese Qualifikationen laut Schleicher mittlerweile auch international weitgehend zur Norm geworden.

Für die 16 Prozent der 25 bis 64-Jährigen, die in Deutschland nicht über die Basisqualifikationen verfügen, sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt nach OECD-Angaben noch deutlich schlechter geworden. Schleicher forderte daher ein Umdenken bei der Weiterbildung. Bisher konzentriere sich in Deutschland das Weiterbildungsangebot zu sehr auf die ohnehin schon gut ausgebildeten Menschen. „Hier müssen mehr formale Weiterbildungsangebote für gering Qualifizierte geschaffen werden“, so Schleicher.

Zu geringe Bildungsausgaben

Dass Deutschland nicht ausreichend auf die Herausforderungen der Wissensgesellschaft reagiert hat, zeigt laut OECD-Bericht auch die Finanzausstattung für das Bildungssystem. Anders als in vielen anderen Ländern stagnierten in Deutschland die Ausgaben für diesen Bereich.

War im Jahr 2000 Deutschland mit einer Ausgabenquote von 5,2 Prozent noch knapp unter dem OECD-Mittel zu finden, so lag 2003 der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt mit 5,3 Prozent bereits deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,9 Prozent.

Bildungs-Offensive gefordert

Inzwischen hat die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD), eine „Qualitätsoffensive“ im Bildungsbereich gefordert. Durch sinkende Schülerzahlen eingesparte Gelder müssten wieder in den Bildungsbereich investiert werden, so die schleswig-holsteinische Bildungsministerin.

Die GEW unterstützt diese Initiative ausdrücklich. GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne: „Die Mittel sollen für Gebührenfreiheit im Kita-Bereich, mehr Ganztagsschulen, den Ausbau von Studienplätzen und die Sprachförderung junger Menschen, vor allem aus Familien mit Migrationshintergrund, eingesetzt werden“.

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