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CoronapandemieBesser ausgestattet, aber längst nicht krisenfest

Der Start in das neue Schuljahr 2021/22 ist nach Einschätzung der GEW-Vorsitzenden Maike Finnern insgesamt „holprig“ verlaufen. Sie fordert mehr finanzielle Unterstützung für den Kauf von Luftfiltern und niedrigschwellige Impfangebote.

10.09.2021

Nach mehr als 1,5 Jahren Pandemie sind die Schulen nach Ansicht der GEW zwar besser ausgestattet, aber nach wie vor nicht krisenfest. Die Mängelliste sei weiter lang, insgesamt sei zu wenig passiert, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Maike Finnern dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf den Beginn des neuen Schuljahres 2021/22. Als Beispiele nannte sie den Lehrkräftemangel, marode Schulen und die schlechte digitale Infrastruktur. „Der Digitalisierungsschub hat viele Schulen nicht erfasst, nicht wenige Einrichtungen sind abgehängt worden. Bis heute sind viel zu wenige Luftfilteranlagen – eingebettet in ein Raumluftkonzept - an den Schulen angekommen“, betonte sie.   

„Lehrende, Lernende und Eltern werden allein gelassen.“ (Maike Finnern)

Um die Anschaffung teurer Luftfilteranlagen voranzutreiben, müssten Bund und Länder die Kommunen finanziell unterstützen, forderte Finnern. Luftfilter seien kein Allheilmittel, könnten das Infektionsgeschehen aber zusätzlich eindämmen. Weiterhin fehlten bundesweit einheitliche und verbindliche Leitlinien, in welcher Pandemie-Situation an den Schulen welche Maßnahmen ergriffen werden müssten. „Lehrende, Lernende und Eltern werden allein gelassen.“

Hohe Impfbereitschaft von Lehrkräften

Die GEW-Vorsitzende würdigte indes die Impfbereitschaft der Lehrkräfte: Diese sei mit 80 bis 95 Prozent sehr hoch. Damit sei die Pandemiesituation heute eine andere als vor einem Jahr. Da Impfen neben Hygienemaßnahmen, einem Testkonzept und Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, die wichtigste Säule sei, um die Pandemie zu bekämpfen, müssten niedrigschwellige Impfangebote für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren ausgeweitet werden, beispielsweise an Schulen.

Positiv wertete Finnern, dass sich die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder endlich auf einheitliche, einfache Quarantäne-Leitlinien für die Schulen verständigt hätten. Wenn bei einem Corona-Fall nicht mehr automatisch alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse in eine 14-tägige Quarantäne geschickt würden, verringere sich für ohnehin benachteiligte Kinder und Jugendliche die Gefahr, weiter abgehängt zu werden.

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.