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CoronapandemieBedürfnissen von Kindern stärker gerecht werden

Fachleute fordern, für Kinder und Jugendliche andere Kategorien als geimpft, genesen oder getestet einzuführen. Ansonsten werde diese Altersgruppe weiter benachteiligt. Die GEW mahnt erneut an, Bildung endlich krisenfest zu machen.

09.09.2021

Die GEW mahnt gemeinsam mit medizinischen Expertinnen und Experten erneut an, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der Coronapandemie stärker in den Fokus zu rücken. „Die aktuell diskutierten, gesellschaftlich und politisch vorge­schlagenen Maßnahmen zu langfristigen Lockerungen auf Basis der Kategorien Geimpft/Genesen/Getestet passen nicht für Kinder. Sie haben sogar das Potenzial, diese Altersgruppe weiter zu diskriminieren“, sagte Prof. Tobias Tenenbaum von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) am Donnerstag in Berlin. Daher müssten für sie Entscheidungskriterien entwickelt werden, die der Altersgruppe gerecht würden.

Prof. Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) betonte: „Für die weitaus meisten Kinder sind die sekundären Krankheitsfolgen, nämlich die psychische Belastung durch Lockdown-Maßnahmen, ungleich belastender als die Erkrankung selbst.“

„Die Kunst ist, das Recht auf Bildung sowie gute Arbeits- und Lernbedingungen und das Recht auf Gesundheit der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern unter einen Hut zu bekommen.“  (Maike Finnern)

Dies bestätigte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm: „Viele fühlen sich mit ihrer Situation allein und sehnen sich nach sozialen Kontakten. Die Probleme, die während des Lockdowns entstanden, bleiben bestehen.“ Dies betreffe die eigene Gesundheit, aber auch belastende Situationen in der Familie bis hin zu häuslicher Gewalt. Zudem gebe es große schulische Ängste, etwa vor Wissenslücken in den Abschlussklassen.

Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern mahnte noch einmal grundsätzlich an, Schulen nach eineinhalb Jahren Pandemie endlich krisenfest zu machen und forderte klare Konzepte, einheitliche Richtlinien und transparente Entscheidungen. Dazu sein ein Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen, Lehrkräften, Ärzten, Virologen, Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie deren Interessenvertretungen erforderlich. „Die Kunst ist, das Recht auf Bildung sowie gute Arbeits- und Lernbedingungen und das Recht auf Gesundheit der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern unter einen Hut zu bekommen.“ 
 

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.