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Fachkräftebarometer Frühe BildungHoher Bedarf trotz steigender Personalzahlen

Trotz einer Rekordzahl an Beschäftigten in Kitas fehlen weiter Erzieherinnen und Erziehern. Die Personalschlüssel seien „immer noch weit von dem entfernt“, was die Wissenschaft als sinnvoll definiert habe, sagt GEW-Vorstandsmitglied Björn Köhler.

26.06.2019

Obwohl es so viele Fachkräfte in Kitas wie nie zuvor gibt, fehlen nach wie vor Erzieherinnen und Erzieher. Laut Fachkräftebarometer Frühe Bildung vom Bundesbildungsministerium und dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) waren 2018 rund 770.000 Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung tätig – das entspricht einem Plus von rund 24 Prozent seit Einführung des Rechtsanspruchs auf Betreuung für Kinder, die jünger als drei Jahre sind, im Jahr 2013. Der starke Zuwachs an Beschäftigten beschränke sich jedoch auf die Kitas, sagte DJI-Studienleiter Thomas Rauschenbach. In der Kindertagespflege bleibe die Zahl der Fachkräfte nahezu konstant, während die Zahl der betreuten Kinder stark zugenommen habe.

In der Kindertagespflege kamen 2018 demnach knapp vier Kinder auf eine Betreuungsperson - im Jahr 2006 waren es noch zwei Kinder pro Fachkraft, im Jahr 2012 gut drei Kinder. In den Kitas kamen bei den Kindern, die jünger als drei Jahre waren, 2017 durchschnittlich vier Kinder auf einen Betreuer (2012: 4,5), bei den 3- bis 6,5-Jährigen waren es 8,5 Kinder (2012: 9,1). „Man muss sagen, dass die Personalschlüssel immer noch weit von dem entfernt sind, was die Wissenschaft eigentlich als sinnvolle Personalschlüssel definiert hat“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Björn Köhler. „Eigentlich sagen wir: Eine Fachkraft sollte auf maximal 7,5 Kinder kommen im Kita-Bereich.“

„Gute Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung gibt es nur mit guten Fachkräften, und diese brauchen echte Chancen auf berufliche Entwicklung und eine gute Bezahlung.“ (Franziska Giffey)

Auch wenn die Ausbildungskapazitäten deutlich gestiegen seien, „dürfen sich die Länder auf diesem Erfolg jetzt nicht ausruhen“, betonte der Experte für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Der Fachkräftebedarf werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Zwar habe die Gehaltsentwicklung im Kitabereich in den vergangenen Jahren über dem Durchschnitt aller Arbeitnehmerinnen und -nehmer gelegen. Trotzdem bekämen Kitakräfte im Vergleich zu ähnlich gut ausgebildeten Fachkräften in anderen Berufen erheblich weniger. Für gute Gehälter und damit verbunden attraktive Arbeitsplätze werde die GEW auch in der TVöD-Tarifrunde 2020 kämpfen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nannte den Arbeitsmarkt für Erzieher und Kinderpfleger laut dpa „wie leer gefegt“. Deshalb müsse die Attraktivität des Berufsfeldes erhöht werden. „Gute Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung gibt es nur mit guten Fachkräften, und diese brauchen echte Chancen auf berufliche Entwicklung und eine gute Bezahlung.“

 

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