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AuslandsschulenBald Teilzeitverträge für Lehrkräfte?

Hohe Arbeitsbelastung, keine wirksame Personalvertretung, Ombudsmann für Streitfälle: Drei von vielen Themen, die die GEW-Arbeitsgruppe Auslandslehrerinnen und -lehrer (AGAL) am 13. und 14. September 2019 in Berlin behandelt hat.

27.09.2019 - Matthias Holland-Letz

„Vorzeitige Rückkehr“ sei ein wichtiger Punkt ihrer Beratungsarbeit. Das berichtete Eileen Thomas, AGAL-Landesbeauftragte für Baden-Württemberg. Einige Lehrkräfte hätten bereits entschieden, ihren Vertrag als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) aufzulösen. Andere überlegten noch. Grund sei die „teilweise unglaubliche Arbeitsbelastung“ an Deutschen Auslandsschulen (DAS). Ratsuchende wollten wissen, welche Folgen dieser Schritt habe. Eine Frage sei, „ob die Flugpauschale zurückzuzahlen ist“. Diese Pauschale wird von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) übernommen, sie deckt einen Großteil der Reisekosten ab. Neben Thomas schilderten auch AGAL-Landesbeauftragte aus Hamburg, Sachsen-Anhalt und Berlin, welche Sachfragen sie in den vergangenen Monaten bearbeitet hätten.   

Jüngere Lehrkräfte wünschen Teilzeitverträge

Günther Fecht, Vorsitzender der AGAL, blickte auf Veranstaltungen zurück, die er im AGAL-Auftrag besucht hatte. Etwa auf die Tagung des Verbandes Deutscher Lehrer im Ausland (VDLiA) in Trier. Dort habe er Peter Fornell getroffen, den neuen Vorsitzenden des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen (WDA). Fornell, so Fecht, wolle eine „neue Art der Zusammenarbeit“ mit der AGAL. Größter Streitpunkt sei weiterhin, dass die vom WDA vertretenen Träger der DAS verbeamtete und beurlaubte Lehrkräfte kostengünstig als Ortslehrkräfte (OLK) einsetzten. „Die AGAL ist dagegen“, unterstrich Fecht.

Marina Melber, stellvertretende AGAL-Vorsitzende, beleuchtete das Thema Personalgewinnung. Auslandsschulen seien künftig gezwungen, sich auf die „Generation Z“ einzustellen. Gemeint sind jüngere Lehrkräfte, die größeren Wert auf Privatleben legten. Laut ZfA arbeiteten in Deutschland bereits 40 Prozent der jüngeren Lehrkräfte in Teilzeit. Doch für ADLK gebe es bislang nur die Möglichkeit, Vollzeit zu unterrichten. Fecht betonte: Heike Toledo, Leiterin der ZfA, habe dies angesichts des Lehrkräftemangels an DAS als Problem erkannt. „Sie macht das zum Thema.“

Keine Beamtenrechte an Auslandsschulen

Zu Wort meldete sich auch Volker Busch von der GEW-Bundesstelle für Rechtsschutz: Vielen ADLK sei trotz der Info-veranstaltungen nicht klar, dass sie „keine Beamtenrechte“ hätten. Es gelte ein Privatvertrag mit dem Schulträger, vom Beamtenverhältnis seien sie beurlaubt. Er müsse zudem immer wieder erklären, „die ZfA ist nicht der Dienstherr“. Auch der Unterschied zwischen ADLK und OLK sei nicht geläufig. Etliche Lehrkräfte wüssten zudem nicht, „dass es an Deutschen Auslandsschulen keine wirksame Personalvertretung gibt“. Der Lehrerbeirat dort sei „ein zahnloser Tiger“.

Digitalisierung als Schwerpunkt-Thema

Weitere Themen, die in Berlin zur Sprache kamen: Könnte ein Ombudsmann bei der ZfA helfen, Streitfälle zwischen ADLK und Schulträger zu lösen? Welche Daten darf die ZfA über die von ihr vermittelten Lehrkräfte speichern – und wie lange? Gesammelt wurden zudem inhaltliche Vorschläge für die AGAL-Tagung, die vom 25. bis 28. November 2020 im Bildungshaus Mariaspring bei Göttingen stattfindet. Schwerpunkt wird sein: Die Digitalisierung und ihre Folgen für Auslandslehrkräfte.

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