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Auslandsschulen: Lehrkräfte besser auf ihre Tätigkeit vorbereiten

06.10.2017 - Matthias Holland-Letz

Rund 60 Prozent der Lehrkräfte an deutschen Auslandsschulen haben schon mal daran gedacht, ihren Vertrag vorzeitig zu kündigen. Das ist das Ergebnis stichprobenartiger Umfragen, das bei einer wissenschaftlichen Tagung in Nürnberg vorgestellt wurde.

„Deutsche Auslandsschularbeit und interkulturelle Sozialisation“: Unter dieser Überschrift luden die GEW und die Universität Erlangen-Nürnberg zu einer zweitägigen Tagung ein. Jutta Mägdefrau, Professorin an der Universität Passau, berichtete dort, dass sie rund 350 Lehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen stichprobenartig befragt habe. Ergebnis: „Wir haben zehn Prozent hochbelastete Kollegen draußen“. Rund 60 Prozent berichteten ihr zufolge, dass sie bereits über den Abbruch ihrer Auslandstätigkeit nachgedacht hätten. Als Grund nannten die Befragten Probleme mit der Schulleitung, „fehlende Aufstiegsmöglichkeiten“ und „materielle Gründe“. Mägdefrau sieht dringenden Forschungsbedarf, um Lehrkräfte besser auf ihre Aufgaben an Auslandsschulen vorzubereiten.

DIe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung beschäftigte sich auch mit der Frage, ob Lehrerbildung generell eine „internationale Dimension“ haben müsse. Anatoli Rakhkochkine, Erziehungswissenschaftler und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg, verwies auf die „globalisierte Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen“. Außerdem gebe es zunehmend Schulklassen, in denen ein Migrationshintergrund „der Normalfall“ sei. Also besteht große Nachfrage nach Lehrkräften, die Erfahrungen an einer der rund 140 Deutschen Auslandsschulen gesammelt haben? Nur teilweise: Rakhkochkine erklärte, deren Kompetenzen seien oftmals nur dann gefragt, „wenn die Schule ein internationales Profil hat“ – wenn sie etwa Europa-Projekte veranstalte oder internationalen Schüleraustausch pflege. Fehlt dieses Profil, werden diese Kompetenzen oftmals nicht genutzt.

Weitere Vorträge informierten über „Inklusionsentwicklungen im deutschen Auslandsschulwesen“ oder die „Internationalisierung von Bildungsgängen und -abschlüssen an Inlands- und Auinternationalslandsschulen“.

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