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KommentarAusbauen und Aufwerten

Die GEW fordert schon lange, dass Schulsozialarbeit umfassend an allen Schulen und Schulformen verankert werden müsse. Die Politik muss dies endlich bundesweit gesetzlich regeln. Diese Investition rechnet sich auch gesamtgesellschaftlich.

04.02.2020 - Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit

Die Forschung bestätigt es schon seit langem: Schulsozialarbeit wirkt! Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte am Lern- und Lebensort sinnvoll und ist ein wichtiges Instrument, um Ungleichheit in unserer Gesellschaft ein Stück entgegenzuwirken. Dazu nimmt sie nicht nur Kinder und Jugendliche mit Benachteiligung in den Blick, sondern hat das Ziel, allen Beteiligten an Schule zur Seite zu stehen und das Schulklima zu verbessern.

Auch viele Lehrkräfte in der GEW bestätigen: Schulsozialarbeit ist ein wichtiges und nachhaltiges Angebot – wenn sie gut ausgestattet und kompetent umgesetzt wird. Sie darf deshalb von den politisch Verantwortlichen nicht nur als Feuerwehr gesehen werden, wenn es Probleme gibt. Schulsozialarbeit muss präventiv tätig sein. Sie muss daher finanziell abgesichert und permanent an allen Schulen angeboten werden: Nur so können Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter ein Vertrauensverhältnis zu Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern aufbauen. Dazu gehört auch eine gewisse Unabhängigkeit vom System Schule. Schulsozialarbeit hat ihren Ursprung in der Jugendhilfe und muss nicht, wie in der Schule üblich, bewerten und benoten.

Leider sind wir vom Ziel eines flächendeckenden Angebots von Schulsozialarbeit für alle Lernenden und Lehrkräfte noch weit entfernt. Es gibt einen Flickenteppich unterschiedlicher Zuständigkeiten und Finanzierungssysteme: Manchmal wird Schulsozialarbeit über die Jugendhilfe finanziert, manchmal über das Land, dazu kommen oft befristete Finanzierungen über Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket oder über den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Unsere große Stärke ist, dass in der GEW beide Seiten, Jugendhilfe und Lehrkräfte, vertreten sind und miteinander reden; so können wir im Diskurs wichtige Beiträge zur Entwicklung von Schule und Gesellschaft liefern.

Diese Situation bietet den politischen Akteuren vor Ort die Möglichkeit, Schulsozialarbeit kreativ zu finanzieren, gerade weil die Finanzlage vieler Kommunen (die eigentlich für die Jugendhilfe zuständig sind) schwierig ist. Denn derzeit ist Schulsozialarbeit kein verpflichtendes Angebot. Sie wird aktuell nicht einmal im Kinder- und Jugendhilfegesetz Sozialgesetzbuch (SGB) VIII erwähnt, nur wenige Länder haben sie in den Schulgesetzen verankert. Vielmehr leitet man ihre Daseinsberechtigung aus den Aufträgen des SGB VIII und ihrer erwiesenen Wirksamkeit ab! Umso wichtiger wäre es, Schulsozialarbeit endlich im SGB VIII zu verankern und so deutlich zu machen, dass alle jungen Menschen in unserer Gesellschaft einen Anspruch auf Unterstützung und Begleitung haben.

Dass Schulsozialarbeit wichtig und wirkungsvoll ist, darin waren sich beispielsweise auch alle Sachverständigen bei einer Anhörung im Bundestag kurz vor Weihnachten einig. Dort zeigte sich übrigens auch, dass die Politik die hohe Expertise der GEW in diesem Bereich anerkennt: Die GEW war als einzige Gewerkschaft zur Anhörung geladen und hat ihre Kenntnisse in den Beratungsprozess der Abgeordneten eingebracht.

Unsere große Stärke ist, dass in der GEW beide Seiten, Jugendhilfe und Lehrkräfte, vertreten sind und miteinander reden; so können wir im Diskurs wichtige Beiträge zur Entwicklung von Schule und Gesellschaft liefern. Bei aller Unterschiedlichkeit mit Blick auf Auftrag und Ausbildung sind wir uns einig, dass alle Kolleginnen und Kollegen gute Arbeitsbedingungen brauchen und das Wohl junger Menschen eine Aufgabe für alle Teile der Gesellschaft ist – gerade auch in und für eine Schule, in der junge Menschen einen großen Teil des Tages verbringen.

Die GEW fordert schon lange, dass Schulsozialarbeit umfassend an allen Schulen und Schulformen verankert werden muss. Es ist an der Zeit, dass die Politik dies endlich bundesweit gesetzlich regelt. Das ist für die Kinder und Jugendlichen sehr wichtig, ebenso wie für das Gesamtsystem Schule – und: Diese Investition rechnet sich auch gesamtgesellschaftlich!

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