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SeitenwechselAus der freien Wirtschaft an die staatliche Schule

Guido Gläser ist Key-Account-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen gewesen. Heute managed er den Unterricht an einer Berufsschule in Hessen.

07.09.2018 - Katja Irle, freie Journalistin

Der Lehrerberuf stand nicht auf Guido Gläsers Karriereplan. Seine Interessenslage nach der Schule war ganz klar: Technik und Computer. Deshalb machte er eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann. Mit dieser Wahl hatte Gläser Erfolg. Er wurde Key-Account-Manager im Vertrieb eines mittelständischen Unternehmens, betreute Großkunden und baute das Produktmanagement auf. „Ich war damals weltweit unterwegs“, erzählt er.

Der 40-Jährige gehört also nicht zu denen, die aus Frust auf die Suche nach einem neuen Job gingen. Aber auch das jahrelange Verharren in einer Tätigkeit war nicht sein Ding. Als Key-Account-Manager absolvierte Gläser nebenberuflich ein BWL-Studium, Schwerpunkt Marketing. In dieser Zeit merkte er zum ersten Mal, dass er anderen gern etwas beibringt. „Ich stellte bei einer Lehrstunde meinen Kommilitonen die Verkaufsförderung und das Product-Placement vor – ganz ohne pädagogisches, didaktisches und methodisches Hintergrundwissen, aber es machte riesigen Spaß.“

Zwischenschritt: Fachlehrer

Den Gedanken ans professionelle Unterrichten verwarf Gläser aber erst einmal – bis er von Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf hörte.  Schließlich reifte sein Entschluss, einen Schritt in diese Richtung zu gehen, erst einmal nebenberuflich. Er arbeitete weiter als Produktmanager, machte parallel eine pädagogische Ausbildung an einer Privatschule in Darmstadt zum Fachlehrer für Wirtschaft und EDV. Nach zwei Jahren legte Gläser die Prüfungen an der Hessischen Lehrkräfteakademie ab.

Wirklich gesprungen – weg vom Job in der freien Wirtschaft hin zum Vollzeit-Pädagogen – ist Gläser dann vor drei Jahren. An der Feldbergschule, einer beruflichen Schule im hessischen Oberursel, machte er das zweijährige Referendariat und schloss mit dem zweiten Staatsexamen ab. Seit März unterrichtet er dort als Beamter auf Probe. Er habe zwar kein Lehramtsstudium, dafür bringe er viel Berufspraxis mit, sagt Gläser. In der Pädagogik, Didaktik und Methodik sieht er sich durch das Referendariat und seine Fachlehrer-Ausbildung an der Darmstädter Privatschule auf dem gleichen Niveau wie seine Kollegen.

Und die Schülerinnen und Schüler? Sie reagierten positiv, wenn er von seinem beruflichen „Vorleben“ erzählt, etwa im Unterricht bei den Kaufleuten für Büromanagement. Kürzlich teilte ihm eine Schülerin mit, sie wolle Key-Account-Managerin werden. Mit ihrem mittleren Bildungsabschluss sei das zwar schwierig, so Gläser, wenn sie aber weiter lerne, Fachabitur mache und vielleicht sogar studiere, dann schon. „Ich traue dir das zu“, motivierte Gläser die junge Frau. Er weiß ja selbst: Manchmal braucht man einen langen Atem und Umwege, um ans Ziel zu kommen.

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