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Als Fachschaftsberaterin in Polen

17.08.2017 - Rita Bouthier

Zwei Jahre war Rita Bouthier an Schulen in Krakau und Chrzanow als Fachschaftsberaterin für Deutschlehrkräfte tätig. Sie traf dort gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die mit viel Engagement Deutsch unterrichten. Ein persönlicher Bericht.

 

Krakau ist eine polnische, aber auch sehr europäische Kulturstadt mit wunderschönen historischen Bauten und von großer Bedeutung seit der Renaissance-Zeit. Der Bahnhof ist neu ausgebaut, zwischen Dresden und Krakau existiert mittlerweile eine gute Zugverbindung und der Flughafen ist modern und in den letzten Jahren stark erweitert worden.

Weltweit die meisten Deutschlehrer
Wem ist schon bewusst, in welchem Land es weltweit die meisten Deutschlerner gibt? Kaum einer weiß, dass dies unser Nachbarland Polen ist. Gleich nach der Wende wurde damit begonnen, ein großes Netzwerk an DSD-Schulen in Polen aufzubauen. Das sind Schulen im nationalen Bildungssystem, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten. Bis zum Ende der neunziger Jahren gab es an den Schulen dort landesweit bis zu 90 Stellen mit Bundesprogramm- bzw. Landesprogrammlehrkräften (BPLK und LPLK ), sowie bis zu vier bis fünf Fachberaterstellen. Heute existieren noch zwei Regionen, Nord-und Südpolen mit je einem Fachberater in Warschau und Breslau. In Südpolen ist wiederum im Bereich Krakau, im sogenannten Raum Kleinpolen, das größte Netzwerk mit zehn DSD II –Lyzeen, und etwa 150 DSD II Absolventen pro Jahr, mit fast 20 DSD I -Gymnasien und ca 250 DSD I -Prüfungen pro Jahrgang.

Gut qualifizierte Lehrkräfte
Das Lehrerkollegium im Raum Krakau besteht aus gut ausgebildeten, qualifizierten Lehrkräften, die sehr engagiert sind und den Deutschunterricht engagiert an den einzelnen Schulen voranbringen. Die DSD-Deutschstunden sind integrierter, fester Bestandteil des Wochenstundenplans. Die Lyzeen mit DSD II Programm sind hoch angesehene Schulen, dazu gehören unter anderem die beiden Elite-Lyzeen, das I. LO und das V.LO. Seit 2015 steht das DSD Programm unter der Schirmherrschaft der Ehefrau des Staatspräsidenten, Frau Duda-Kornhauser, einer ehemaligen Deutschlehrerin im DSD Programm an einem der Krakauer Lyzeen.

Fachschaftsberaterin in Krakau und Chrzanow
Mein Unterricht erfolgte an drei Lyzeen. An  zwei Tagen am VIII.LO, meiner Stammschule, an zwei weiteren Tagen am III.LO,  einer Schule, die erst seit 2014 neu ins DSD-Programm mit aufgenommen wurde. Am fünften Tag der Woche unterstützte ich die Kollegen am I. LO in Chrzanow, ca. 25 km von Krakau entfernt. Neben schulinternen Fortbildungen und Beratungen hatte ich Gelegenheit, zusätzlich zu den verpflichtenden Vorkonferenzen und der Durchführung von Pilotprüfungen, auch gezielt größere Fortbildungsmaßnahmen in den Bereichen MK und SK anzubieten und durchzuführen.

Bestürzung über Streichung einer Fachschaftsberaterstelle
Mit großer Bestürzung und Beunruhigung insbesondere von Seiten der polnischen Kollegen mussten wir im Februar 2016 zur Kenntnis nehmen, dass eine Fachschaftsberaterstelle zum 1. September 2016 aus Krakau wegfallen wird. Diese Benachrichtigung kam für alle plötzlich und unerwartet – auch für mich. Sie betraf eine Schule, die in Krakau als erste 1997 bereit war, das DSD-Programm einzuführen, sich diesem Programm verpflichtete, zu Beginn des Programms noch sog. Prüfungszentrum war und über Jahre hinweg sowohl von Seiten der Schulleitung als auch von Seiten des Deutschkollegiums engagiert alle Anforderungen immer gewissenhaft und sorgfältig erfüllte.

Austausch mit Muttersprachlern unerlässlich
Unsere polnischen Deutschkollegen sind ausgezeichnete Germanisten, beherrschen perfekt die deutsche Sprache und machen guten Unterricht. Dennoch benötigen sie immer wieder Impulse, kleine Tipps, auch Fortbildungen gerade im Bereich der Schriftlichen Kommunikation, Schreiben von Erörterungen nach bestimmten Abläufen und Regeln, die je nach Land z.T. sehr unterschiedlich sind. Auch im Bereich der mündlichen Prüfungen müssen Fertigkeiten eingeübt werden, die nicht unbedingt landesüblich sind. Daher ist ein ständiger Kontakt und Austausch mit Muttersprachlern unerlässlich, sowohl für die einheimischen Lehrkräfte als auch für die Schülerschaft.

Erfolgreiche Zusammenarbeit weiter unterstützen
Die Deutschfachschaften an den Lyzeen und die Schüler brauchen ein attraktives Programm. Unterrichtsstunden mit Muttersprachlern sind sowohl für Eltern als auch für Schüler von besonderer Bedeutung. Schulleitungen der Lyzeen und Gymnasien müssen immer wieder erneut motiviert und überzeugt werden. Nur eine unermüdliche Pflege der Kontakte mit allen Partnern kann einen andauernden Erfolg garantieren. Ohne diesen ständigen Austausch von beiden Seiten kann die erfolgreiche Geschichte des Krakauer DSD II –Modells kaum fortbestehen. Hoffen wir, dass sich für die Zukunft wieder neue Wege ergeben, um diese so enge und erfolgreiche Zusammenarbeit weiter zu unterstützen.

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