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Akuter Lehrkräftemangel in Baden-Württemberg

Mehr als jede zehnte Stelle in Baden-Württemberg konnte zu Schuljahresbeginn nicht besetzt werden. Über Jahre hat die Landesregierung an allen Ecken und Enden gekürzt, statt in die Zukunft zu schauen.

03.11.2017

In Baden-Württemberg können 13 Prozent der offenen Lehrerstellen nicht besetzt werden. Die GEW macht die Sparpolitik der verschiedenen Landesregierungen dafür verantwortlich: Bis 2011 sorgten CDU und FDP nicht für einen Ausbau der Studienplätze für Grundschul- und Sonderpädagogik. Die bis 2016 amtierende grün-rote Regierung hielt bis kurz vor Ende der Legislaturperiode daran fest, bis 2020 11.602 Lehrerstellen streichen zu wollen. Seit 2016 setzt die Regierung von Grünen und CDU unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Sparkurs fort: So gibt es in diesem Schuljahr 700 Lehrkräftestellen weniger als 2016/17. Erst aufgrund wachsender Proteste und auf Druck der GEW erklärte die Landesregierung im Juli, keine weiteren Stellen abzubauen. Auch die Zahl der Studienplätze soll nun leicht erhöht werden.

Insbesondere an Grundschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ, früher Sonderschulen), wo nur ein Teil der Stellen besetzt werden konnte, hat sich die Unterrichtsversorgung verschlechtert. Auch in den naturwissenschaftlichen Fächern der weiterführenden Schulen fehlen Lehrkräfte, ebenso an den Beruflichen und Gewerblichen Schulen in vielen berufsbezogenen Fächern. Folgen hat der Lehrkräftemangel nicht nur, weil er zu Unterrichtsausfall führt: „Von einer sinnvollen Umsetzung der Inklusion, guter Förderung oder einer Lehrerreserve ist keine Rede mehr“, betont die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), derzeit auch Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, will die Unterrichtsversorgung nun mit einem Maßnahmenpaket verbessern: Teilzeitlehrkräfte werden zur Mehrarbeit aufgefordert. Es gibt Versetzungen und Abordnungen, um die Schulen im ländlichen Raum besser zu versorgen. Mehr Lehrkräfte sollen über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten.Die GEW fordert stattdessen, ältere Lehrkräfte mit einer wesentlich höheren Altersermäßigung zu entlasten. Wenn dadurch mehr Lehrkräfte ein oder zwei Jahre länger arbeiten könnten, würde das für mehr Unterricht sorgen als der nun geplante zehnprozentige Zuschlag bei einer Arbeit über die gesetzliche Altersermäßigung hinaus.

Der komplette Artikel von Matthias Schneider, GEW-Landesgeschäftsführer Baden-Württemberg, ist in der Novemberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

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